Umfrage: Schlechte Gesundheitsversorgung in Deutschland
Mehr als sechs Monate nach Inkrafttreten der Gesundheitsreform im April 2007 stellen die Deutschen der aktuellen Gesundheitsversorgung in der Republik ein schlechtes Zeugnis aus. Neuerungen durch die Reform wurden selten bemerkt, die Zukunft des Systems sehen viele mehr als kritisch. Speziell die Zukunft der Pflegeversicherung bereitet vielen Deutschen große Sorgen. Dies sind die wesentlichen Erkenntnisse des zweiten MLP Gesundheitsreports, der als repräsentative Studie vom Finanzdienstleister MLP in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde. Insgesamt wurden 1.900 Bürger befragt.
Mehr als die Hälfte aller Befragten sieht im Versorgungsbereich in den letzten Jahren einen negativen Trend, nur noch 57 Prozent (-7 Prozent gegenüber 2005) gehen davon aus, im Krankheitsfall auch in Zukunft auf einen ausreichenden Versicherungsschutz zurückgreifen zu können. Insgesamt stehen besonders die gesetzlich Versicherten der aktuellen Versorgungslage skeptisch und kritisch gegenüber. Problematischste Bereiche bei der Versorgung sind den Befragungsergebnissen nach Zahnbehandlungen (29 Prozent) und Sehhilfen (25 Prozent). Trotz der sich negativ entwickelnden Einschätzungen wird die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystem derzeit noch nicht infrage gestellt - knapp zwei Drittel der Befragten stufen sie als "gut" oder "sehr gut" ein (-18 Prozent gegenüber 1994). Die Befragungsgruppe mit einem - nach eigener Einschätzung - schlechten Gesundheitszustand beurteilt die Lage da schon wesentlich kritischer: Hier bewerten nur 39 Prozent die aktuelle Situation als positiv.
Die Zukunft des Gesundheitssystems sieht in den Augen der Befragten insgesamt wenig rosig aus. Mehr als 80 Prozent prognostizieren steigende Beiträge und höhere Zuzahlungen bei Medikamenten. 75 Prozent gehen davon aus, dass sich das derzeitige Image der Zwei-Klassen-Medizin weiter verfestigen wird. Eine ebenso große Zahl rechnet mit weiteren Reformen. Die Kompetenz der Politiker, eine effektive und gute Gesundheitsversorgung aufrechterhalten beziehungsweise garantieren zu können, wird dabei allerdings von rund drei Viertel der Befragten angezweifelt. So hat ein Großteil der Befragten vom Inkrafttreten der Gesundheitsreform im April 2007 nach eigener Einschätzung nicht viel mitbekommen. Lediglich 5 Prozent sind "ziemlich informiert", der Großteil (40 Prozent) weiß "ungefähr" Bescheid. 28 Prozent der Befragten sind speziell bei der Versorgung mit Medikamenten in Berührung mit den Auswirkungen der Reform gekommen. Knapp ein Viertel sieht bei der Verschreibung von Medizin den Trend zu günstigeren Ersatzpräparaten.
In der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) scheint die Reform - zumindest vom Bekanntheitsgrad her - ebenfalls noch ein Schattendasein zu fristen, nur knapp einem Viertel der Versicherten wurden von der jeweiligen Krankenkasse die sogenannten Wahltarife angeboten. Hinzu kommt, dass bisher gerade einmal 3 Prozent in einen solchen Wahltarif eingestiegen sind. Das Interesse aufseiten der Versicherungsnehmer besteht durchaus, speziell die Hausarzttarife (52 Prozent) und Tarife für eine integrierte Versorgung (45 Prozent) werden als interessant eingestuft. Auch im Bereich der Pflegeversicherung scheint es um die Informationsversorgung der Bürger schlecht gestellt: Gerade einmal jeder Fünfte ist über die aktuellen politischen Reformen informiert. Die Informierten (19 Prozent) stehen den politischen Beschlüssen der Großen Koalition kritisch gegenüber, drei Viertel von ihnen fordern weiter gehende Reformen. Knapp die Hälfte zweifelt daran, im Pflegefall zukünftig finanziell ausreichend abgesichert zu sein. Die Eigeninitiative der Bürger lässt dabei allerdings ebenfalls zu wünschen übrig - nur 11 Prozent verfügen über eine Zusatzvorsorge. Immerhin 13 Prozent planen den Abschluss einer zusätzlichen Police.
Bei der Leistungsfähigkeit ihrer Versicherung im Krankheitsfall sehen die Befragten die Private Krankenversicherung (PKV) vorne (64 Prozent), auch die Mehrheit der gesetzlich Versicherten spricht der PKV ein besseres Versorgungspotenzial zu. Mehr als jeder Fünfte Versicherte in der GKV würde gerne in den Versicherungsschutz der PKV wechseln, insbesondere die bessere Behandlung von privat Versicherten spielt hier eine große Rolle (92 Prozent). Weniger als ein Drittel der gesetzlich Versicherten strebt in der GKV einen Wechsel der Krankenkasse an, private Zusatzversicherungen (Zahnersatz, Sehhilfen) rücken zunehmend in den Fokus der Bürger (40 Prozent). Die aktuelle Versorgung in Krankenhäusern stuft der Großteil der Befragten als gut ein: 91 Prozent waren mit der Versorgung bei ihrem letzten Krankenhausaufenthalt "zufrieden" oder "sehr zufrieden". Kritikpunkt bei der Behandlung in Krankenhäusern ist insbesondere die Behandlung durch die Ärzte, mehr als die Hälfte bemängelt die fehlende Zeit für den einzelnen Patienten (33 Prozent). Das Krankenhauspersonal ist in den Augen vieler Befragter mit der aktuellen Versorgungslage überfordert (40 Prozent). [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 26.11.2007 | 0 Kommentare | Rubrik: Krankenversicherung, Private Krankenversicherung

