Private Krankenversicherung weiter stabil
Trotz gesetzlicher Herausforderungen und zahlreicher Veränderungen durch das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) stuft die Rating Agentur Fitch den Ausblick für die Private Krankenversicherung (PKV) weiterhin als stabil ein. Fitch Ratings geht davon aus, dass sich mindestens für die kommenden zwölf Monate Herauf- und Herabstufungen die Waage halten werden. Am 1. April 2007 musste die PKV mit dem Inkrafttreten der Gesundheitsreform eine hohe Hürde nehmen, erste Auswirkungen machten sich 2007 mit einem starken Rückgang des Nettoneuzugangs auf knapp 60.000 PKV-Neuversicherte (-50 %) bemerkbar.
Der Grund für den starken Rückgang bei den "Neuzugängen": Angestellte Arbeitnehmer dürfen sich nur noch in der PKV versichern, wenn sie drei Jahre nacheinander die Einkommensgrenze von 48.150 EUR überschreiten - die sogenannte Jahresarbeiterentgeltgrenze (JAEG). Auch 2008 und 2009 dürfte sich daran vorerst nichts ändern. Erst für 2010 erwartet Fitch einen erneuten Zuwachs bei den Nettozahlen, endet doch dann die dreijährige Wartefrist für viele junge Angestellte.
Das Dilemma der Branche: Obwohl es bei den reinen Absatzzahlen für PKV-Zusatzversicherungen gute Ergebnisse gibt, machen sich diese bei den Erträgen bisher kaum bemerkbar. Denn der Prämienanteil der Zusatzversicherungen am Gesamtgeschäft stagniert. Dies zeigt, dass der geschäftliche Erfolg der PKV-Unternehmen vor allem auf den Krankenvollversicherungen basiert. Und: Trotz der aktuell guten Ergebnisse bei den Zusatzversicherungen steht auch dieser Geschäftszweig nicht zwingend auf stabilen Beinen. Denn wenn künftig auch gesetzliche Krankenkassen im Bereich der Zusatzversicherungen auf Kundenjagd gehen, könnten sich auch diese Geschäftserfolge abschwächen. Ob das Anbieten von zusätzlichen Tarifen durch gesetzliche Kassen rechtlich zulässig, wird gerade in einem gerichtlichen Verfahren geklärt, dessen Ausgang noch offen ist.
Gut sieht es dagegen bei der grundsätzlichen finanziellen Situation der Branche aus. Eine Verdoppelung des Überschusses zwischen 2002 und 2006 ist wohl auf das Risikoergebnis und den Sicherheitszuschlag zurückzuführen. Allein 2006 trugen diese Komponenten 57 zum Rohüberschuss bei. Erfolge gibt es auch in der Kapitalanalgepolitik der Branche, sodass gerade die Reserven der PKV in den vergangenen Jahren deutlich aufgefüllt werden konnten. Die Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) legte seit 2003 um 55 zu, da rund 1 Mrd. EUR mehr zurückgelegt als ausgezahlt werden konnte. Diese positiven Entwicklungen sorgen ebenfalls dafür, dass sich die Eigenkapitalausstattung der Assekuranzen deutlich verbessert hat (seit 2003 jährlich um 5,2 %).
Ab Januar 2009 steht die PKV vor einer erneut hohen Hürde, wenn der Basistarif und die Portabilität von Alterungsrückstellungen gesetzlicher Standard werden. Die Aufteilung in Neu- und Altbestand erschwert das Alltagsgeschäft, denn während der Neubestand jederzeit in den Basistarif jedes Versicherungsunternehmens wechseln kann, können "alte" Versicherungskunden nur in den ersten sechs Monaten auf den Basistarif umsteigen. Im Neubestand dürfen zudem Alterungsrückstellungen zum neuen Anbieter mitgenommen werden, beim Altbestand besteht diese Möglichkeit der Portabilität ebenfalls nur für die ersten sechs Monate des Jahres 2009. Eine Ausnahmeregel gibt es allerdings auch hier: Erreicht der Versicherungskunde das 55. Lebensjahr oder ist hilfebedürftig, kann er jederzeit in den Basistarif seines Anbieters wechseln. Wer sich einmal für den Basistarif entschieden hat, muss für mindestens 18 Monate in diesem verbleiben. Diese Frist wird nach Einschätzung von Fitch dafür sorgen, dass die Portabilität von Alterungsrückstellungen keine größeren Auswirkungen auf das Neugeschäft haben wird. Im Gegensatz hierzu prognostiziert Fitch dagegen Belastungen der PKV durch den Kontrahierungszwang und die Kappung der Beiträge auf den GKV-Höchstsatz, die allerdings deutlich schwächer ausfallen könnten, als bisher vermutet. Nach Angaben von Fitch stellen die Herausforderungen besonders kleinere Versicherungsunternehmen vor Probleme, die gerade bei der Einführung des Basistarifs Modelle zur Kostenreduzierung entwickeln müssen. Hierzu könnten sowohl Bestandsübertragungen als auch Fusionen gehören. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 02.09.2008 | 0 Kommentare | Rubrik: Krankenversicherung, Private Krankenversicherung

