Bevölkerung auf Abgeltungsteuer nicht vorbereitet
Ab dem 1. Januar 2009 müssen Privatanleger die sogenannte Abgeltungsteuer in Höhe von 25 % auf Gewinne aus Kapitalanlagen abführen. Trotz der nur noch kurzen Zeitspanne bis zum Inkrafttreten der neuen Regelungen sind viele deutsche Bürger eher verunsichert und wenig auf die neuen steuerlichen Voraussetzungen vorbereitet. Dies hat der Finanzdienstleister JPMorgan Asset Management in seinem zweiten Abgeltungsteuer-Barometer herausgefunden.
Im Vergleich zur letzten Befragung (Februar 2008) ist der Anteil der Bürger, denen die Abgeltungsteuer völlig unbekannt ist, zwar um mehr als die Hälfte auf 5,6 zurückgegangen. Allerdings sind weiterhin knapp 20 der Bürger nicht über die Auswirkungen der Abgeltungsteuer informiert. Ein Drittel der Befragten will sein aktuelles Anlageverhalten trotz der Abgeltungsteuer nicht anpassen oder verändern. Während deutlich mehr Frauen (33,9 ) als Männer (25,5 ) mehr als unsicher auf die Abgeltungsteuer reagieren, sind es wenige Monate vor der Einführung bei den Frauen immerhin schon 34 , die keine Veränderung ihres Anlageverhaltens planen (+14 gegenüber Februar 2008). Und auch für viele Männer (36,6 ) spielt die Abgeltungsteuer bei ihrem zukünftigen Anlageverhalten keine besondere Rolle. Das Gesamtbild zeigt also, dass die Mehrheit der Bürger zunächst wohl keine Veränderungen bei privaten Kapitalanlagen vornehmen wird. Dementsprechend sind konkrete Strategien und Optimierungsmaßnahmen nur selten bekannt - nur etwa jeder Zehnte sieht die Notwendigkeit einer Beratung durch Finanzexperten (+2,3 gegenüber Februar 2008).
Auch "erfahrene" Privatanleger sind übrigens nicht wesentlich besser informiert. Ein Drittel der Anleger, die bereits mit Anlagen in Fonds oder Aktien vertraut sind, weiß mit der Abgeltungsteuer und möglichen Konsequenzen wenig anzufangen (-5.9 gegenüber Februar 2008). Zumindest ein Teil der "erfahrenen" Anleger zeigt erstes Interesse: 22,7 wollen in nächster Zeit einen Finanzberater aufsuchen und sich über eventuelle Anpassungen und Optimierungen informieren. Für Finanzberater und Banken besteht also nach wie vor die Chance, viele Kunden aufzuklären und Optimierungen voranzutreiben.
Fast alle Investmentmöglichkeiten, die rund um die Einführung der Abgeltungsteuer im Fokus stehen, mussten in der Beliebtheit unter "erfahrenen" Anlegern aktuell deutliche Rückschläge hinnehmen. Einzig Direktanlagen in Aktien legten im Vergleich zum Februar in der Gunst der Anleger noch einmal zu, Aktienfonds und Dachfonds sind bei den Anlegern dagegen sehr viel unbeliebter geworden. Immer weniger Anleger planen, in Zukunft auf Dach- und Aktienfonds zu setzen. Gute Nachrichten gibt es dagegen bei den Rentenfonds, die den Befragungsergebnissen zufolge ab 2009 einen deutlichen Aufschwung erleben könnten.
Die Zurückhaltung der Anleger ist nach Einschätzung der JPMorgan vor allem auf die derzeit "unruhigen" Märkte zurückzuführen. Doch gerade in diesen Zeiten müsse man auch den Mut unter Anlegern fördern, wieder auf Aktien oder andere Risikoanlagen zu setzen, die zweifelsohne auch weiterhin als wichtiger Bestandteil jedes Portfolios gelten müssten. Dabei sehe es auf den Aktienmärkten langfristig längst nicht so schlecht aus, wie sich das allgemeine Image in der Bevölkerung derzeit darstelle. Über einen Zeitraum von 10 - 20 Jahren betrachtet sei der durchschnittliche Ertrag aus Aktiengeschäften deutlich höher als Einnahmen aus Immobilien oder Anleihen gewesen. Verluste blieben meist auf Aktienanlagen mit einer Laufzeit von bis zu vier Jahren beschränkt. JPMorgan fordert vor allem Finanzberater dazu auf, die Kunden für die Konsequenzen der Abgeltungsteuer zu sensibilisieren. Denn wer vor dem Jahresende 2008 auf langfristige Anlagen setzt, kann auch in den kommenden Jahren Steuervorteile genießen und der Abgeltungsteuer zunächst aus dem Weg gehen.
Für die zweite Ausgabe des Abgeltungsteuer-Barometers wurden von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von JPMorgan insgesamt 1.900 Frauen und Männer im August 2008 zu ihrem Anlageverhalten im Zusammenhang mit der Einführung der Abgeltungsteuer befragt. Zudem wurde auch das Anlageverhalten von 441 Investmentbesitzern unter die Lupe genommen. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 18.09.2008 | 0 Kommentare | Rubrik: Finanzen

