Private Altersvorsorge: Rendite, Risiko und Laufzeit im Fokus
Die private Vorsorge für das Alter ist für einen Großteil der deutschen Bürger zum primären Sparziel geworden. Das zeigt sich auch in den steigenden Absatzzahlen in der Sparte Altersvorsorge. Vor allem risikoreichere Anlagemodelle mit höheren Renditen und längeren Laufzeiten gewinnen unter Anlegern an Beliebtheit. Dies hat die Unternehmensberatung BBE Retail Experts in ihrem aktuellen Branchenreport Private Altersvorsorge herausgefunden.
Zwar basieren rund 80 Prozent der Alterssicherung in Deutschland nach wie vor auf der gesetzlichen Rentenversicherung. Die private Altersvorsorge (16 Prozent) und die betriebliche Altersversorgung (5 Prozent) stehen nach wie vor hinten an. Der BBE-Analyse zufolge könnte sich dieses Kräfteverhältnis allerdings schon sehr bald verschieben: Denn allein zwischen 2000 und 2008 hat das Gesamtvermögen in der privaten Altersvorsorge um 28 Prozent zugelegt, bis 2015 wird ein weiterer Zuwachs von 36 Prozent auf 8,63 Billionen EUR erwartet. Das für Lebensversicherungen aufgewendete Kapital wird der Analyse nach bis 2015 immerhin um 29 Prozent zunehmen. Das Vorsorgevermögen ohne Lebensversicherungen dagegen dürfte in den kommenden sieben Jahren einen Zuwachs von rund 51 Prozent verzeichnen, was laut BBE nicht zuletzt an einem besonders starken Aufschwung bei Fondsanlagen liegen wird.
Für deutsche Vorsorger stehen zwei wesentliche Elemente im Mittelpunkt ihrer Vorsorgetätigkeit: Risikoschutz und attraktive Renditen. Je nach Priorität dieser Elemente können sich Vorsorger also zwischen mehr Sicherheit bei niedrigerer Rendite und höherer Rendite bei entsprechend höherem Risiko entscheiden. Nach Angaben von BBE ist innerhalb dieses Entscheidungsprozesses ein eindeutiger Trend in Deutschland erkennbar: Immer häufiger setzen Anleger auf mehr Risiko bei gleichzeitiger Langfristigkeit. Denn je mehr sich Vorsorger über neue Anlagetrends oder Vorsorgeoptionen informieren, desto sicherer fühlen sie sich auch im Umgang mit risikoreicheren Anlagen mit besseren Chancen auf hohe Renditen. Dies spielt vor allem Investmentfonds, der betrieblichen Altersversorgung, direkten Anlagen und alternativen Investments in die Karten. Leidtragende sind konservative Anlagemodelle wie klassische Lebensversicherungen, deren Zinsen (Garantiezins und Überschüsse) sich schon seit einigen Jahren dauerhaft rückläufig entwickeln. Die Ergänzung der klassischen Vorsorgeprodukte (Bausparpläne, Lebensversicherungen) um neue Alternativen wird sich nach Einschätzung von BBE verstärkt fortsetzen. Doch nicht nur die Rendite, auch die Langfristigkeit der Anlage steht beim Verbraucher immer höher im Kurs. Und: Immer mehr Kunden wollen eine Komplettlösung, die Altersvorsorge und herkömmliche Vermögensanlage vereint.
Für den Branchenreport befragte BBE Retail Experts 136 Entscheidungsträger von Versicherern und Kreditinstituten. Die Ergebnisse: 85 der Experten schreiben dem Faktor "Sicherheit" die größte Bedeutung für Kunden bei der Auswahl der Vorsorgemodelle zu. Knapp drei Viertel sind der Meinung, dass im Auge des Kunden vor allem die Rendite eine wichtige Rolle spielt. Immerhin rund zwei Drittel halten die staatliche Förderung für ein wichtiges Entscheidungskriterium. Steuerliche Vorteile (51 Prozent), Hinterbliebenenschutz (35 Prozent), Vererbbarkeit (28 Prozent), Erfahrung mit dem Produkt (24 Prozent), Flexibilität (22 Prozent), Verrentungsmöglichkeit (17 Prozent) und Verfügbarkeit (8 Prozent) folgen auf den weiteren Plätzen. Im Vertrieb sind es nach Meinung der Entscheider vor allem Allfinanzvertriebe und der mobile Vertrieb, die beim Marktanteil deutlich zulegen dürften. 73 sehen unabhängige Finanzberater und Allfinanzvertriebe im Auftrieb, dem mobilen Vertrieb (70 %) und dem auf Altersvorsorge spezialisierten Bankenvertrieb (62 Prozent) werden ebenfalls gute Marktchancen eingeräumt. Auch Versicherungsmakler (55 Prozent), die Bankfiliale (52 Prozent) und Online-Plattformen (39 Prozent) könnten nach Experteneinschätzung künftig verstärkt profitieren. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 24.09.2008 | 0 Kommentare | Rubrik: Private Altersvorsorge

