Deutsche sparen trotz Finanzkrise nicht bei der Altersvorsorge
Wenn es um die Vorsorge für das Alter geht, lassen sich viele deutsche Bürger auch von der Finanzkrise nicht beirren. Wie das Beratungsinstitut JPMorgan Asset Management in seinem 6. Altersvorsorge-Barometer festgestellt hat, wirkt sich die Finanzkrise derzeit noch nicht negativ auf das Vorsorgeverhalten der Deutschen aus - und wird dies auch in naher Zukunft nicht tun. Für das aktuelle Altersvorsorge-Barometer befragte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von JPMorgan Asset Management im November 2008 insgesamt 1.900 Frauen und Männer ab 20 Jahren zu ihrer Sparleistung im Rahmen der privaten Altersvorsorge in den Anlageformen Fondsparpläne, Riester- und Rürup Rente, Renten- und Lebensversicherungen, Sparbücher und Immobilien.
Die Ergebnisse der Befragung zeigen ein eindeutiges Bild: Der Großteil der Befragten lässt sich von den aktuellen Schwankungen auf den Finanzmärkten nur wenig beeindrucken, eine Panik bleibt bisher aus. Mehr als 50 der Befragten geben an, an ihrem bisherigen Anlageverhalten "gar nichts" ändern zu wollen. Nur knapp 1 der Sparer planen eine Neujustierung des eigenen Anlageportfolios im Sinne der Risikominderung. Die wichtigste Begründung für das Vertrauen in die Märkte: Die Langfristigkeit der meisten Vorsorge-Produkte sorge dafür, dass Marktschwankungen mittel- bis langfristig ausgeglichen werden könnten. Geschlechterspezifisch fällt auf, dass gerade mehr Frauen (55,1 ) als Männer (49,8 ) Vertrauen in ihre Vorsorgeaktivitäten haben. Auch wenn die Mehrheit keine kurzfristigen Anpassungen des Vorsorgeportfolios vornehmen will, Zurückhaltung ist dennoch erkennbar. Denn jeder vierte Anleger gibt an, aktuell keine neuen Investitionen tätigen und vorerst die Marktentwicklung beobachten zu wollen. Vorsorger, die sofort auf die negative Entwicklung der Finanzmärkte reagiert haben, setzten vor allem auf Sicherheit: 8,7 der Sparer haben Kapital in Tagegeld, Festgeld oder auf Sparbücher umgeschichtet, auch Versicherungen (1,7 ), Garantiefonds (1,1 ) und Geldmarktfonds (0,9 ) verzeichnen derzeit einen leichten Zuwachs. Nur etwa zwei von hundert Sparern haben Nägel mit Köpfen gemacht und alle langfristigen Sparpläne und Versicherungen sofort aufgelöst. Trotz der nahenden Abgeltungsteuer bleibt auch ein Ansturm auf Aktien und Aktienfonds bisher aus. Denn die derzeit vermeintlich niedrigen Einstiegskurse sind nur für 1,2 % der Befragten wirklich überzeugend.
Die Altersvorsorge und die damit verbundene Sparbereitschaft hat trotz oder gerade wegen der Finanzkrise in den Köpfen vieler Befragten an Bedeutung gewonnen (+0,7 ). Mittlerweile geben 42,6 an, jeden Monat Geld für das Alter zurückzulegen - der zweithöchste Wert des seit März 2007 erhobenen Altersvorsorge-Barometers. Zwangsläufig ging auch der Anteil der Deutschen, die gar nicht sparen auf 40,3 % zurück. Trotz der positiven Tendenzen zeigen die Befragungsergebnisse vor allem eines: Nicht mal die Hälfte der Deutschen legt regelmäßig Geld für den Ruhestand zurück.
Auch regionale Unterschiede prägen das Bild: Während in den neuen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit 39,3 im bundesweiten Vergleich deutlich weniger gespart wird, sind es vor allem westdeutsche Länder wie Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland, die mit 37,4 Sparquote noch deutlicher unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Auch das Sparverhalten in den Ländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen (allesamt 40,8 ) und Baden-Württemberg (41,8 ) ist unterdurchschnittlich. Nordrhein-Westfalen ist mit 42,4 praktisch Durchschnitt, lediglich Thüringen und Sachsen mit (48,8 ) und Bayern (49,8 ) positionieren sich deutlich über Bundesniveau. Gerade in Bayern sowie im Nordwesten Deutschlands ist der Trend besonders positiv: Denn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hat die Vorsorgequote in Bayern um 5,3 zugenommen. Im Nordwesten (Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen) legte die Sparquote um beachtliche 7,4 zu, auch für den mittleren Westen (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) wurde ein Anstieg von immerhin 3,1 errechnet. Während der mittlere Osten (Thüringen, Sachsen) auf seinem hohen Niveau weitgehend stagniert (+0,9 ), sind die Sparerquoten in den restlichen Bundesländern deutlich abgefallen. Insbesondere für den Nordosten (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt) vermeldet JPMorgan Asset Management deutliche Einbrüche (-3,2 ) und auch in Nordrhein-Westfalen ging die Sparerquote um 4,3 zurück. Toppen kann diese Entwicklung nur Baden-Württemberg mit einem Minus von 6 .
Die Gründe für die fehlende Vorsorgetätigkeit vieler Sparer liegen auf der Hand: Die Befragten, die keine Vorsorge betreiben, vertrauen entweder in die staatlichen oder betrieblichen Rentensicherungssysteme oder verfügen nicht über die finanziellen Möglichkeiten für die Vorsorge. So geben 28,1 an, dass Sparen für sie derzeit einfach nicht möglich sei (-0,4 ). Für JPMorgan Asset Management ein erschreckendes Ergebnis: Denn scheinbar kann ein Drittel der Deutschen eine Altersvorsorge derzeit einfach nicht finanzieren. 12,2 der Befragten haben da weniger Sorgen, denn sie vertrauen ganz bewusst nur auf die staatliche oder betriebliche Altersvorsorge (-0,3 ) - auch wenn der staatlichen Rente und der Kombination aus staatlicher und betrieblicher Altersvorsorge nur jeweils 6,1 % vollstes Vertrauen aussprechen.
Bei der monatlichen Sparleistung wollte jeder Zehnte keine genaueren Beträge angeben, mehr als die Hälfte der Befragten legt monatlich aber maximal 149 EUR zurück. 6,3 sparen einen Betrag von bis zu 49 EUR (-1,3 ), 9,9% bis zu 100 EUR (-0,3 ) und 5,4 zwischen 100 und 149 EUR (-0,5 ) an. 150 - 200 EUR legen nur 2,2 auf die hohe Kante (-0,1 ). Der positive Trend: In allen vier Gruppen sind die Zahlen leicht rückläufig, was vor allem auch am Zufluss der oberen Betragsgruppen zu erkennen ist. Denn in diesen Gruppen ist ein leichter Zuwachs an Sparern erkennbar. Gerade die Gruppierung der Vorsorger, die 200 - 249 EUR zurücklegt (1,6 ) hat sich immerhin verdoppelt. 1,4 legen sogar mehr als 250 EUR zurück (+0,3 ). 6,8 zahlen monatlich eine Immobilie ab (-0,6 ) und sorgen so für das Alter vor. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 11.12.2008 | 0 Kommentare | Rubrik: Private Altersvorsorge

