Kurzfristige Nachfrage nach Versicherungen stark rückläufig
Die Versicherungsbranche wird zunehmend auch von der Finanzkrise getroffen. Im 1. Quartal 2009 wollen so wenige Personen wie nie zuvor einen Versicherungsvertrag abschließen. Das zeigt der vierteljährlich vom Kölner Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGovPsychonomics AG ermittelte "Assekuranz Absatzpotenzial-Index" (ASSDEX).
Der ASSDEX basiert auf einer Befragung von 1.500 privaten Versicherungskunden ab 18 Jahren zu ihrer generellen Abschlussbereitschaft sowie zu ihrer kurzfristigen Abschlussintention im laufenden Quartal. Die Untersuchung, die von YouGovPsychonomics seit 2007 jeweils einmal pro Quartal durchgeführt wird, ermittelt außerdem die aktuellen Anbieter- und Produktpräferenzen - differenziert nach sechs Versicherungssparten und 18 Produktgruppen.
Das Ergebnis für das laufende Quartal ist ernüchternd: Mit 42 Indexpunkten hat der ASSDEX einen historischen Tiefstand erreicht. Im 4. Quartal 2008 hatte er noch bei 58 Punkten gelegen. Vor einem Jahr (1. Quartal 2008) lag der ASSDEX bei 50 Indexpunkten. Die Bereitschaft der Bürger, kurzfristig eine neue Versicherungspolice abzuschließen, hat also erheblich nachgelassen. Positiv ist einzig, dass sich die generelle Abschlussbereitschaft der privaten Versicherungsnehmer mit 37 auf einem stabilen, gleichbleibenden Niveau bewegt - im 3. Quartal 2008 lag sie bspw. ebenfalls bei 37 .
Dem Rückgang bei der kurzfristigen Abschlussbereitschaft geschuldet, hat YouGovPsychonomics ein Gesamtpotenzial von nur noch 3,2 Mio. Neuverträgen für das laufende 1. Quartal ermittelt - im Vergleichzeitraum des Vorjahres waren es noch 4,6 Mio. potenzielle Neuverträge. Besonders stark hat es die SUH-Sparte getroffen: Sorgten Schaden-/ Unfall- und Haftpflichtversicherungen im letzten Quartal noch für positive Schlagzeilen (Abschlussinteresse 1,9 Mio. Neuverträge), hat die SUH-Sparte nun einen deutlichen Rückgang auf 1,2 Mio. potenzielle neue Verträge zu verzeichnen. Zum Vergleich: Im 1. Quartal 2008 lag der Wert bei 1,6 Mio. potenziellen Neuverträgen. Dagegen ist der Bereich der Altersvorsorge von der Abschlusszurückhaltung der privaten Versicherungskunden - zumindest mittelfristig betrachtet - kaum betroffen: Er bewegt sich mit einem Abschlusspotenzial von 0,2 Mio. Neuverträgen auf dem gleichen Niveau wie vor einem Jahr. Im ASSDEX für das 4. Quartal 2008 hatten die Kölner Marktforscher allerdings noch ein Potenzial von 0,8 Mio. Neuabschlüssen ermittelt.
Christoph Müller, Studienleiter bei YouGovPsychonomics geht davon aus, dass der Versicherungsvertrieb in den kommenden Wochen und Monaten einen hohen Aufwand wird betreiben müssen, um die Versicherungskunden infolge der wirtschaftlichen Verunsicherung von Neuabschlüssen zu überzeugen. Ob des konstant hohen grundsätzlichen Interesses der Kundschaft an Versicherungsprodukten liege mittelfristig aber weiter ausreichend Potenzial für Neuabschlüsse vor, das es mit überzeugender Ansprache und attraktiven Angeboten differenziert anzugehen gelte, so Müller. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 26.02.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

