Mindestverweildauer im Basistarif bremst Wechselwelle in der PKV aus
Die von Experten befürchtete Wechselwelle in der privaten Krankenversicherung ist ausgeblieben. Der Grund liegt in der im vergangenen Jahr beschlossenen Mindestverweildauer im Basistarif beim Wechsel des privaten Krankenversicherers (PKV). Das zeigt eine aktuelle Studie der Kölner Marktforscher von YouGovPsychonomics.
Am 10. Juli 2008 hatten sich das federführende Bundesfinanzministerium, das Bundesgesundheitsministerium sowie der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. darauf verständigt, dass Versicherte bei einem Wechsel des PKV-Versicherers mindestens 18 Monate im Basistarif des neuen Anbieters verweilen müssen, bevor sie in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln können. Ansonsten gehen die individuellen Alterungsrückstellungen verloren. Die Modalitäten zur Mitnahme der Alterungsrückstellungen bei einem Anbieterwechsel waren im Gesetzestext zunächst nicht eindeutig geregelt, was zu unterschiedlichen Auslegungen in der Branche führte. Diese Zweifelsfragen hat der Gesetzgeber im Juli vergangenen Jahres durch die Regelung der Bindungsfrist ausgeräumt - insbesondere um den von vielen Fachleuten vorausgesagten Wechselboom zu unterbinden. Mit Erfolg, wie die aktuelle Studie von YouGovPsychonomics zeigt.
Vor rund neun Monaten - also vor der Regelung der Mindestverweildauer - hatten noch 14 Prozent der PKV-Versicherten Pläne, ihren Versicherer unter Mitnahme eines Teils ihrer Alterungsrückstellungen zu wechseln. Im Januar waren nun nur noch 8 Prozent wechselwillig. Auch die Vertriebsaktivitäten der Versicherungsmakler im Bereich der PKV sind nach den Untersuchungen von YouGovPsychonomics rückläufig - durch die Mindestverweildauer von 18 Monaten im Basistarif ist ein Anbieterwechsel schlicht für die meisten Bestandversicherten unattraktiv. Die aktuelle Untersuchung zeigt zudem, dass das grundsätzliche Wechselpotenzial wohl in größeren Teilen bereits 2008 ausgeschöpft wurde: Anfang 2008 rechneten die Versicherungsmakler noch mit rund 600.000 möglichen Neuverträgen für private Krankenvollversicherungen, Anfang 2009 geht die Branche nur noch von etwa 400.000 potenziellen Neu-Policen aus.
Dennoch gibt es am PKV-Markt noch eine Menge Potenzial. Insbesondere die Einführung des hohen einheitlichen Beitragssatzes für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) i.H.v. zurzeit 15,5 Prozent könnte den Wechsel von derzeit freiwillig GKV-Versicherten in die PKV beflügeln. Nach Angaben von YouGovPsychonomics trugen sich bereits im vergangenen Jahr 7 Prozent der freiwillig GKV-Versicherten mit dem Gedanken, als Konsequenz auf den erhöhten Einheitsbeitragssatz in die PKV zu wechseln - die "natürliche" Abwanderungsquote von der GKV in die PKV liege dagegen nur bei etwa 5 Prozent. Auch das Geschäft mit privaten Krankenzusatzversicherungen könnte sich für die Branche in 2009 deutlich positiv gestalten: So ergibt sich etwa aus dem Wegfall des Krankengelds aus den Grundleistungen für freiwillig versicherte Selbstständige seit dem Jahreswechsel Potenzial für den Vertrieb privater Krankentagegeldpolicen. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 16.03.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Krankenversicherung, Private Krankenversicherung

