Zukunft der PKV liegt im Zusatzversicherungsgeschäft
Eine Fokussierung auf flexible Zusatzversicherungsprodukte und Kooperationen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) - laut einer Studie des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners sieht so die Zukunft der Privaten Krankenversicherung (PKV) aus. Das Fazit der Studie klingt ebenso hart, wie es eindeutig ist: Die privaten Krankenversicherer müssen sich wohl schon sehr bald mit dem Gedanken anfreunden, dass die Zukunft ihrer Geschäftstätigkeit nicht mehr im Vollversicherungsgeschäft liegt bzw. liegen kann. Aktuelle Tendenzen zeigen, wie schlecht es tatsächlich um PKV-Anbieter steht: Starke Einbußen im Neugeschäft, steigende Kosten und ein schlechtes Image.
Allein das Vollversicherungsgeschäft verlor beim Nettozugang zwischen 2003 und 2008 ganze 74 %. Und die ständigen gesundheitspolitischen Änderungen und Reformen machen nicht nur der GKV, sondern auch der PKV zu schaffen. An der Unsicherheit wird sich der Studie zufolge vorerst nichts ändern. Denn je nachdem, wie die diesjährigen Bundestagswahlen tatsächlich ausgehen, könnte sich auch die gesundheitspolitische Gesamtstrategie der PKV wiederum ändern. Ob ein Wechsel zur Einheitskasse, ein voller und nahezu freier Wettbewerb oder eine Beibehaltung des bisherigen Modells - alles ist möglich.
Während das Vollversicherungsgeschäft also schwächelt, eröffnet sich im Zusatzversicherungsgeschäft großes Potenzial: 50 der gesetzlich Versicherten wollen im kommenden Jahr Zusatzversicherungspolicen abschließen. 40 wollen dabei am liebsten auf einen PKV-Anbieter setzen, der mit der jeweiligen gesetzlichen Krankenkasse zusammenarbeitet. Schon jetzt macht sich diese Entwicklung in den Bilanzen der PKV-Assekuranzen bemerkbar: Denn zwischen 2003 und 2008 legte das Geschäftsvolumen mit Zusatzpolicen um 42 % zu. Konkurrenz im Zusatzgeschäft bekommt die PKV allerdings vor allem durch den GKV-Wahltarif.
Auch bei der Produktentwicklung und -strategie ist die Kreativität der PKV gefragt - und natürlich die Orientierung an den Versicherungsnehmern. Diese wünschen sich der Studie nach von ihrer Versicherung vor allem eines: flexible und bequeme Produkte. Knapp 90 der Befragten wollen, dass ihr Versicherer "mitwächst". Auch das Baukastenprinzip, bei dem jeder Versicherungsnehmer individuell festlegen kann, welche Leistungen er in welchem Krankheitsfall tatsächlich in Anspruch nimmt, steht bei Versicherungsnehmern hoch im Kurs (82 ). Paketangebote treffen ebenfalls auf große Zustimmung: Modelle wie dem "Berufsstarterpaket" (50 ), dem "Familienpaket" (rund 33 ) oder dem Zukunfts-Absicherungspaket“ (rund 25 %) könnte die Zukunft gehören. Wesentlich innovativere Angebote wie das "Perfekt-Smile"-Produkt, das viele unterschiedliche Zahnleistungen beinhaltet, stoßen bei zwei Dritteln der Kunden auf Zustimmung.
Sowohl für die GKV als auch für die PKV ist die derzeitige Situation mehr als unbefriedigend. Der Studie nach müssen sich die Krankenversicherer angesichts dieser Gesamtentwicklung schnellstmöglich umorientieren. Eine Neuausrichtung offenbart ungeahntes Potenzial, das auch in Kooperationen zwischen GKV und PKV versteckt liegt. Denn während die GKV seit jeher vor dem Problem steht, Kosteneinsparungen und Kundenorientierung im Gleichgewicht zu halten, ist dieser Druck für die PKV neu. Grund genug also für die privaten Versicherungsunternehmen, einen Blick über den Tellerrand zu werfen. Neue Produkte, eine Fokussierung auf das Zusatzversicherungsgeschäft und effektive Kooperationen - mutige Versicherungsunternehmen können mithilfe dieser strategischen Eckpunkte mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen - und so schlussendlich auch in schweren Zeiten punkten. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 20.05.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Krankenversicherung, Krankenzusatzversicherung, Private Krankenversicherung

