Versicherungsbranche: Kontroverse Diskussion über Notrettung

Sollen in der Versicherungsbranche einzelne Unternehmen vor einer Pleite als Resultat der Wirtschafts- und Finanzkrise gerettet werden? Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) und einzelne Branchenvertreter sind sich in dieser Frage nicht einig.

Nicht jedes Unternehmen kann aufgefangen werden, so die klare Aussage von Rolf-Peter Hoenen, Präsident des GDV in einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD). Andere Branchenvertreter sehen das jedoch anders und fordern umfassende Maßnahmen, um Unternehmenszusammenbrüche zu verhindern. Die Befürchtung, dass Kunden im Insolvenzfall Geld verlieren, besteht nach Ansicht Hoenens aber nicht. So garantiert die vom GDV gegründete Auffanggesellschaft Protektor AG im Falle einer Versicherungspleite, sämtliche Leistungen für die Altersvorsorge, den Risikoschutz und auch die bereits gewährten Gewinnbeteiligungen zu leisten.

Aber welches Risiko besteht derzeit für die Branche? Die Assekuranz hat insgesamt ca. 1.100 Mrd. EUR Kapital am Markt angelegt, davon ca. 60 % bei den Banken. Deshalb profitiert die deutsche Versicherungsbranche unmittelbar von der Rettung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate. Mit anderen Worten: Bei einer Insolvenz wären auch die Versicherer nicht ohne Blessuren davongekommen.

Gekämpft wird derzeit aber an anderen Fronten. So ist der Rückgang im Neukundengeschäft der Lebensversicherer auf das Geschäft mit fondsgebundenen Policen zurückzuführen, welches unter den Folgen der Krise leidet. Der GDV will dieser Entwicklung entgegenwirken: Im Herbst dieses Jahres startet eine entsprechende Imagekampagne, um das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen. Für die Schaden- und Unfallversicherung könnte die Finanzkrise noch eine weitere Auswirkung haben. Die seit Jahren fallenden Preise könnten wieder an Stabilität gewinnen, so Hoenen. Die Versicherungsunternehmen müssten aufgrund ihrer Aufwendungen für Kapitalanlagen ihre Tarife neu überdenken.

Von besonderem Interesse dürfte für die Branche aber die künftige Regelung der Finanzaufsicht sein. Die Bundesregierung sieht in ihren Plänen vor, die Bedienung von Banken an nachrangigen Anleihen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu verbieten. Nach Einschätzung von Hoenen liegt darin ein eindeutiger Eingriff in die Vertragsgestaltung. Werden die Pläne der Bundesregierung in die Tat umgesetzt, könnten die Versicherer ihr Engagement - sie haben derzeit ca. 30 Mrd. EUR als nachrangige Anleihen bei Banken angelegt - zurückziehen. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: LexisNexis | 27.05.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

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