Lebensversicherungen 2007: Riester- und Rürup-Produkte retten Neugeschäft

Das Lebensversicherungsgeschäft war im Jahr 2007 insgesamt von Stagnation gekennzeichnet. Nur die staatlich geförderten Riester- und Rürup-Renten verzeichneten Wachstumsraten. Das geht aus einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Versicherungsmagazin" (Heft 7/2009, S. 44 - 47) auf Basis von Geschäftsdaten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft hervor.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2007 fiel laut dem Autor Rolf Schlüter eigentlich positiv aus: Die Beiträge im Lebensversicherungsgeschäft sollten um 2 Prozent steigen. Denn die Voraussetzungen Ende 2006 schienen ideal: Die Arbeitslosenzahl war rückläufig, das Interesse der Bevölkerung an der privaten Altersvorsorge stieg und staatliche Förderungen sollten für eine weitere Belebung sorgen. Die hieraus resultierenden, hohen Erwartungen an das Jahr 2007 wurden aber entgegen aller Prognosen nicht erfüllt. Die Beitragszahlungen stiegen 2007 im Vergleich zum Vorjahr nur um magere 0,7 Prozent an - und nicht um die prognostizierten 2 Prozent. Der Grund: Das verfügbare Einkommen deutscher Haushalte stagnierte, die Vorsorgetätigkeit vieler Bürger fiel dem Sparzwang zum Opfer.

Für positive Schlagzeilen im Lebensversicherungsgeschäft konnten nur die staatlich geförderten Riester- und Rürup-Renten sorgen, die im Neugeschäft jeweils deutlichen Zuwachs verzeichneten und die gesamte Sparte Leben stützten. So wurden 2007 2,076 Mio. neue Riester-Verträge abgeschlossen (+2,7 Prozent), von denen 55,9 % auf Einzel-Rentenversicherungen, 43,2 Prozent auf fondsgebundene Rentenversicherungen und 0,9 Prozent auf Kollektivversicherungen entfielen. Einen satten Anstieg verzeichnete die Branche auch beim Vertrieb von Basis-Renten: 317.791 Neuverträge wurden 2007 abgeschlossen. Dies kommt im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg von 83 Prozent gleich. Etwa zwei Drittel der verkauften Basis-Renten waren fondsgebundene Lebensversicherungen. Die staatlichen Impulse griffen im Jahr 2007 also. Riesterprodukte wurden mit einer staatlichen Zulage von insgesamt 724,5 Mio. EUR gefördert.

Der Erfolg der staatlichen Förderprodukte konnte das schwächelnde Neugeschäft der gesamten Sparte Leben aber nur bedingt ausgleichen: Rückgänge bei der Anzahl der abgeschlossenen Verträge, bei den Versicherungssummen und laufenden Beiträgen sind wesentliche Kennzeichen das schwachen Neugeschäfts in 2007. Die Anzahl der Neuverträge ging um etwa 5 Prozent auf 7,6 Mio. Verträge zurück, wobei im Hinblick auf die einzelnen Produkte deutliche Unterschiede deutlich wurden. Allein bei den Einzel-Kapitalversicherungen musste die Branche einen Neugeschäftsrückgang von rund 27 Prozent verkraften. Auch beim Geschäft mit Einzel-Renten- und Pensionsversicherungen sowie mit fondsgebundenen Kapitallebensversicherungen verzeichnete die Branche einen Rückgang von jeweils rund 15 Prozent. Demgegenüber steht ein deutlicher Zuwachs bei fondsgebundenen Rentenversicherungen (+29,6 Prozent), die 2007 mehr als 20 Prozent aller Neuverträge ausmachten. Allein die Einzahlungen von Einmalbeträgen in die fondsgebundenen Rentenversicherungen stiegen im Jahr 2007 um 60,6 %. Die laufenden Beiträge gingen dagegen um etwa 1,74 Prozent auf 6,4 Mrd. EUR zurück, die Versicherungssumme sank um 3,27 Prozent auf rund 243 Mrd. EUR. Nur die produktübergreifend betrachteten Einmalbeträge nahmen zu und stiegen auf insgesamt 11,916 Mrd. EUR (+3,04 Prozent). Sie wurden hauptsächlich in Renten- und Pensionsversicherungen (39 Prozent), aber auch in Kollektivversicherungen (21,5 Prozent) angelegt.

Die Veränderungen im Neugeschäft wirkten sich auch auf die Zusammensetzung des Bestandes 2007 aus: Aufgrund des schwachen Neugeschäfts ging der Anteil der Einzel-Kapitallebensversicherungen am Bestand auf 39,6 Prozent zurück (Vorjahr: 42 Prozent). Der Anteil von Einzel-Renten- und Pensionsversicherungen (18,8 Prozent) und fondsgebundenen Lebensversicherungen (12,9 Prozent) stieg dagegen an.

Weitere Kennzahlen des Jahres 2007: Die Stornoquote betrug 2007 4,96 Prozent (Vorjahr: 5,05 Prozent). Die vorzeitigen Abgänge gingen um 1,9 Prozent zurück. Die Reduzierung der Verwaltungsaufwendungen um 2,3 Prozent ließ die Verwaltungskostenquote auf 2,94 Prozent (Vorjahr: 3,03 %) sinken, die Abschlusskostenquote stieg dagegen wegen eines Aufwendungsanstieges von 3,4 Prozent auf 5,52 Prozent (Vorjahr: 4,94 Prozent). Die Brutto-Beiträge im Bestand stiegen auf 75,375 Mrd. EUR (+0,67 Prozent) - ein historischer Tiefpunkt. Spartenbezogen zeigt sich, dass der Beitragsrückgang bei Einzel-Kapitalversicherungen (-4,9 Prozent) nicht einmal durch Steigerungen bei fondsgebundenen Versicherungen (+7,3 Prozent) sowie Kollektivversicherungen (+6,5 Prozent) aufgefangen werden konnte.

Die gesamten Kapitalanlagen beliefen sich im Jahr 2007 auf rund 681 Mrd. EUR (+2,4 Prozent). Namensschuldverschreibungen, Darlehn und Schuldscheinforderungen machten etwa die Hälfte dieser Gesamtanlagen aus. Der Anteil von Grundstückswerten ging dagegen um 15 Prozent zurück, was vor allem auf einen 70-prozentigen Rückgang der Investitionen in diesem Bereich zurückzuführen ist. Hohe Abschreibungen und starke Abgangsverluste schraubten die Aufwendungen für Kapitalanlagen um 50 Prozent auf rund 6,3 Mrd. EUR hoch. Das Nettoergebnis ging aus diesem Grund um 1,1 Prozent zurück, der Anlagebestand legte um 2,4 Prozent zu, sodass sich für 2007 eine Nettoverzinsung von 4,64 Prozent ergibt (Vorjahr: 4,82 Prozent).

Obwohl die Erwartungen der Lebensversicherer an das Jahr 2007 nicht erfüllt wurden, fallen die Prognosen für das Geschäftsjahr 2008 wieder positiv aus: Der GDV erwartet einen Anstieg beim Neugeschäft um 4 Prozent und eine Steigerung der Beiträge um 2 Prozent. Die Zuversicht des Verbandes basiert wiederum auf der steigenden gesellschaftlichen Bedeutung der privaten Altersvorsorge. Die Zahlen für das Jahr 2008 werden zeigen, ob die Prognosen diesmal zutreffend sind. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: LexisNexis | 23.07.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Private Altersvorsorge, Riester Rente, Rürup Rente

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