Kfz-Versicherer: Umdenken bei der Hauptfälligkeit
Zwei größere Kfz-Versicherer haben die strenge Koppelung der Vertragslaufzeit an das Kalenderjahr zum Jahresbeginn 2009 bereits abgeschafft, nun zieht eine dritte große Assekuranz nach. Insbesondere der wirtschaftliche Druck sorgt für einen Sinneswandel in der Branche - denn aktuelle Beitragszahlen weisen hohe Verluste aus.
Wie das Beratungsunternehmen Simon-Kucher & Partners aktuell berichtet, scheinen die Assekuranzen zusehends zu erkennen, dass die Koppelung der Vertragslaufzeit an das Kalenderjahr mitverantwortlich für die Instabilität des Kfz-Marktes ist. Die Folge: Erste Unternehmen lösen diese Koppelung auf. Die einjährige Vertragslaufzeit orientiert sich bei ihnen folglich am individuellen Abschlussdatum und nicht mehr am Kalenderjahr.
Den Grund für diesen Sinneswandel legt ein Blick auf aktuelle Kfz-Marktdaten offen: Denn viele Assekuranzen stehen wirtschaftlich enorm unter Druck. Zu viele Versicherungsnehmer wechseln zum Jahresende den Anbieter, zu hoch ist die Kundenfluktuation. Es ist vor allem der Preiskrieg, der für große Beitragsrückgänge und die hohe Kundenfluktuation verantwortlich zeichnet. Die Zahlen sprechen eine eindeutige, unmissverständliche Sprache: Allein im Jahr 2008 gingen die Bruttobeiträge um 2 % auf 20,4 Mrd. EUR zurück - ein Verlust von 400 Mio. EUR.
Was sich nun spartenweit durchsetzen könnte, stand vor zwei Jahren noch gar nicht zur Debatte. Einer damaligen Simon-Kucher & Partners-Studie zufolge waren knapp zwei Drittel aller Führungskräfte deutscher Kfz-Versicherer nicht der Meinung, sich mit der Entkoppelung von Hauptfälligkeit und Kalenderjahr befassen zu müssen. Kosten-Nutzen-Rechnungen fielen damals meist zugunsten der Koppelung aus. Aber insbesondere die Tatsache, dass einige der großen Kfz-Versicherer inzwischen doch eine Entkoppelung vorgenommen haben, könnte den Stein nun branchenweit ins Rollen bringen.
Für Simon-Kucher & Partners ist dieser Wandel eindeutig positiv zu bewerten: Denn er könnte dafür sorgen, dass der harte Kampf um neue Versicherungskunden zu jedem Jahreswechsel bald ein Ende hat und dass für Versicherer die Chance besteht, mit dem Kfz-Geschäft auch tatsächlich wieder Geld zu verdienen. So gut Dynamik vielen Märkten tut, so negativ hat sich das alljährliche und wechselseitige Abwerben von Versicherungskunden auf die Sparte ausgewirkt. Denn wirklich profitiert haben nur wenige Assekuranzen. Wesentliche Merkmale des dynamischen Marktes waren konsequent sinkende Preise und eine stetig schwächer werdende Bindung des Kunden an seinen Versicherer.
Simon-Kucher& Partners sehen in der bisherigen strengen Bindung der Hauptfälligkeit an das Kalenderjahr einen Grund für die Instabilität des stark dynamischen Marktes. Hinzukomme, dass der Kampf um Neukunden nicht nur Vertrieb und Verwaltung blockiere, sondern auch für starke finanzielle Belastungen in den Bilanzen der Assekuranzen sorge - vor allem auch durch stetig steigende Werbebudgets.
Den Versicherern, die sich für eine Entkoppelung von Vertragslaufzeit und Kalenderjahr entschieden haben, prophezeit Simon-Kucher & Partners künftig wesentlich stabilere Ergebnisse. Denn sie können ihren Versicherungsbestand durch individuelle Vertragslaufzeiten weitgehend unabhängig von den alljährlichen Preisrallyes positionieren und somit einen gewissen Grad an Stabilität sichern. Die Konzentration der Abwerbeversuche von Wettbewerbern auf das Jahresende könnte aufgrund der individuellen Vertragslaufzeiten abnehmen - zu groß ist das Risiko, bei Versicherungskunden mit individuellen Vertragslaufzeiten mit Werbemaßnahmen ins Leere zu laufen. Und Versicherer, die ihrerseits auf eine Entkoppelung verzichten, stehen dann nicht nur bei der Abwerbung von Versicherungskunden anderer Assekuranzen vor Problemen, sondern müssen sich zudem darauf konzentrieren, ihren eigenen Bestand gegen weitaus dynamischer agierende Wettbewerber zu verteidigen. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 27.07.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Autoversicherung, KFZ - Versicherung

