Schwere Zeiten für ungebundenen Maklervertrieb

Der ungebundene Maklervertrieb hat mit einem schwachen Neugeschäft zu kämpfen. Im zweiten Quartal 2009 ging die Nachfrage sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft spürbar zurück. Die Prognosen für das laufende Jahr fallen zwangsläufig deutlich schlechter aus. Dies geht aus dem aktuellen "Makler-Absatzbarometer" des Marktforschungsinstituts YouGovPsychonomics AG hervor. Für die aktuelle Marktanalyse wurden mehr als 200 Versicherungs- und Finanzmakler zu ihrer aktuellen sowie prognostizierten Geschäftsentwicklung sowie der Umsetzung der neuesten gesetzlichen Vorgaben befragt.

Nicht nur das Privatkundengeschäft, sondern auch das in 2009 bisher so krisenresistente Firmenkundengeschäft hat sich im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt. Der auf Basis der Befragung erhobene Makler-Absatzindex (-100: stark abnehmend; +100: stark wachsend) für das Privatkundengeschäft sank auf -5 Indexpunkte (1. Quartal: +2) - ein historischer Tiefstand. Auch ein Vergleich mit den jeweiligen Vorjahreszeiträumen 2007 (+23 Indexpunkte) sowie 2008 (+12 Indexpunkte) macht deutlich, wie negativ sich das Geschäft tatsächlich entwickelt hat. Noch schlechter sieht es im Firmenkundengeschäft aus: Der Absatzindex verlor im Vergleich zum Vorquartal 14 Indexpunkte und liegt somit bei derzeit +3 Punkten. Auch hier spiegelt ein Vergleich mit den Vorjahreszeiträumen das wahre Ausmaß der Negativentwicklung wieder (2008: +22; 2007: +33). Nach Einschätzung der YouGovPsychonomics AG hat die Finanzkrise nun auch das Makler- und vor allem deren Firmenkundengeschäft mit voller Härte getroffen.

Nur wenige Produktbereiche zeigen sich nach wie vor stabil und verzeichnen positive Ergebnisse. Die Krise macht sich spartenübergreifend bemerkbar: Im Privatkundengeschäft ist gerade die Nachfrage in der Leben und Renten Sparte völlig eingebrochen. Sogar beim Geschäft mit den sonst so erfolgreichen Riester- und Rürup-Renten verzeichneten die Makler deutliche Einbußen. Im Bereich der klassischen Finanzprodukte war der Nachfrageeinbruch dagegen längst nicht mehr so stark wie noch zu Jahresbeginn. Lediglich die Kapital-Lebensversicherungen sorgen im zweiten Quartal mit einem leichten Nachfragezuwachs für positive Schlagzeilen. In der Kranken-Sparte ergibt sich ein gegensätzliches Bild: Während die private Krankenvollversicherung weiterhin an Nachfrage verliert, entwickelt sich das Geschäft mit Zusatzversicherungen positiv. Ähnlich unterschiedlich sieht es in den Sparten Sach, Unfall und Rechtsschutz aus. Auch der deutliche Abschwung im Firmenkundengeschäft spiegelt sich in fast allen Produktsparten wieder, wobei die Makler speziell in der betrieblichen Altersvorsorge sowie der Sach- und Haftpflicht-Sparte deutlich Einbußen hinnehmen mussten.

Die Prognosen zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr im Vergleich zu 2008 sind von starker Heterogenität gekennzeichnet, wobei die unterschiedlichen Erwartungen für das Privatkundengeschäft von jeweils rund einem Drittel der Makler vertreten werden. 32 prognostizieren für das laufende Jahr 2009 eine rückläufige Entwicklung. Gerade die Gruppe der Skeptiker ist damit deutlich größer geworden, hatten im ersten Quartal nur rund 23 mit einer negativen Entwicklung gerechnet. Während 31 stabile Umsätze erwarten, prognostizieren immerhin 37 eine positive Geschäftsentwicklung. Im Firmenkundengeschäft gingen die Anteile der positiv gestimmten Makler von 48 (1. Quartal) auf 38 zurück, die Zahl der Pessimisten stieg deutlich von 19 auf 29 an. Das verbleibende Drittel (34 %) rechnet mit einer stabilen Geschäftsentwicklung.

Ergänzend zur Marktstudie wurden die Makler zudem zur Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie und der VVG-Reform befragt, da beide deutlich Auswirkungen auf die Vermittlerqualifikation, Beratungspflicht und -dokumentation sowie das Haftungsrisiko haben. Die Befragung offenbart teils erstaunliche Ergebnisse: So verzichten Kunden vieler Makler (43 ) nicht selten auf die Bedingungen im Rahmen der gesetzlich vorschriebenen Beratunsdokumentation, was die Makler auf ein starkes Vertrauensverhältnis, den hohen Aufwand und den Mangel an Zeit zurückführen. Im Rahmen der Beratungsdokumentation greift knapp die Hälfte der Makler auf standardisierte Vorlagen zurück. Nur jeweils knapp ein Drittel nutzt die Angebotssoftware sowie nicht-standardisierte Verfahren. 72 der Makler sind insgesamt durchaus offen für weiteren Support seitens der Versicherungsgesellschaften, 24 sind mit ihrer Unabhängigkeit zufrieden und 4 halten die vorhandene Unterstützung für völlig ausreichend. Im Hinblick auf die neuen Regelungen zur Maklerhaftung ist es in den vergangenen zwei Jahren nur bei 7 der Makler zu tatsächlichen Haftungsansprüchen von Kundenseite gekommen. Ein Großteil dieser Fälle wurde ohne die Einbeziehung der Berufshaftpflicht ausgeräumt. Für die Zukunft erwarten 78 der Makler allerdings einen Anstieg des Haftungsrisikos.

Die Studie der YouGovPsychonomics AG zeigt: Der ungebundene Maklervertrieb hat mit einem schweren Jahr 2009 zu kämpfen. Deutliche Einbußen im Neugeschäft und sich verschlechternde Prognosen verdeutlichen, dass auch ungebundene Makler von der Finanzkrise betroffen sind - und zusätzlich auch noch mit der Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben zu tun haben. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: insurance1 agency | 03.08.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Versicherungsmakler

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