Altersvorsorge: Viele Bundesbürger sind unterversorgt

Dass die Rente längst nicht mehr so sicher ist, wie Norbert Blüm einst verlauten ließ, ist schon lange kein Geheimnis mehr. In Zusammenarbeit mit der Fondsgesellschaft Union Investment hat der Finanzprofessor Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg im "Altersvorsorgeatlas" zusammengefasst, womit zukünftige Rentner tatsächlich rechnen können - aufgegliedert nach Alter, Region, Verdienst und Geschlecht.

Die Prognosen der Studie fallen denkbar schlecht aus: Etwa die Hälfte aller derzeit erwerbstätigen Deutschen wird den Lebensstandard aus der Erwerbsphase im Rentenalter nicht halten können. Den Berechnungen der Studie zufolge werden nur 56 der deutschen Arbeitnehmer in der Rentenphase auf minimum 60 ihres Bruttoverdienstes zurückgreifen können - die weitgehend anerkannte prozentuale Mindestrente zur Erhaltung des Lebensstandards. Die durchschnittliche, erwartbare Monatsrente beträgt dem Altersvorsorgeatlas nach nur 984 EUR - basierend auf Berechnungen für alle deutschen Arbeitnehmer zwischen 20 und 65 Jahren. Aufgegliedert nach Einkommen, Alter, Geschlecht und Region ergeben sich allerdings deutliche Differenzen. Eines wird in jedem Fall deutlich: Nachholbedarf besteht auf ganzer Linie, wobei inbesondere die jüngeren Generationen und Besserverdiener insachen Altersvorsorge noch deutlich Luft nach oben haben.

Während die westdeutschen Rentner mit durchschnittlich etwa 1.023 EUR rechnen dürfen, verfügen ostdeutsche Pensionäre in spe nur über 817 EUR. Doch der Schein trügt: Denn entscheidend ist, über wie viel Prozent des letzten Bruttoeinkommens Pensionäre im Rahmen der gesetzlichen Rente tatsächlich verfügen können. Der Altersvorsorgeatlas zeigt, dass in Westdeutschland durch die gesetzliche Rente zukünftig nur 41,2 Prozent, im Osten dagegen 49,6 Prozent des letzten Bruttoeinkommens abgedeckt werden können. Gerade ältere Ostdeutsche haben den Vorteil, dass ihre Erwerbsjahre in der DDR grundsätzlich höher eingestuft werden. Dieser Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland schwächt sich bei den jüngeren Generationen allerdings deutlich ab. Beispiel: In der Altersgruppe der 20- bis 35-Jährigen ist die Differenz nur noch marginal vorhanden (Osten: 40,3 Prozent; Westen: 39,1 Prozent). Beide Quoten liegen allerdings deutlich unter der altersgruppenübergreifenden Quote.

Die gesetzliche Rente ist und wird auch in Zukunft das zentrale Standbein einer jeden Altersvorsorge bleiben, so viel ist klar. Klar ist allerdings auch: Sie wird speziell für die jungen Generationen wohl längst nicht mehr ausreichend sein. Denn geht man - wie bereits dargestellt - davon aus, dass der Lebensstandard im Alter mit etwa 60 Prozent des letzten Bruttoeinkommens weitgehend gehalten werden kann, zeigen die durch die gesetzliche Rente abgedeckten Einkommensquoten, dass die private Vorsorge mehr als nur erforderlich ist.

Die gute Nachricht ist, dass bereits viele Deutsche die Notwendigkeit der privaten Vorsorge erkannt und z.B. Riester-Verträge abgeschlossen haben. Addiert man die erwartbaren Rentenbeträge dieser private Vorsorge mit der prognostizierten gesetzlichen Durchschnittsrente und setzt diese Gesamtrente mit dem letzten Bruttoeinkommen in Beziehung, wird allerdings deutlich, dass nach wie vor sehr viele Deutsche unterversorgt sind und die Minimumquote von 60 Prozent zur Erhaltung des Lebensstandards längst nicht erreichen. Je nach Region ergeben sich wiederum Unterschiede, wobei der Altersvorsorgeatlas offenbart, dass Menschen in den Ballungsgebieten Stuttgart, München, Berlin, Bremen und Hamburg auch mit der privaten Vorsorge nicht auskommen werden. Die Region mit dem höchsten Anteil der Personen, die die 60 Prozent-Einkommensquote nicht erreichen werden, ist Ostberlin (62,5 Prozent), der Anteil in Schleswig-Holstein beträgt dagegen nur 35 Prozent.

Ergänzt man die bisherigen Berechnungen um solche Einnahmen, die zukünftige Rentner aus Immobilienvermietungen oder Geldanlagen erzielen, zeigt der Atlas weitere interessante Ergebnisse: So erreichen Bewohner Niederbayerns bereits nur mit potenziellen Einnahmen aus Immobilienvermögen und Geldanlagen eine Rentenquote von 50 Prozent. In Kombination mit erwartbaren Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung sowie der privaten Vorsorge scheinen niederbayerische Rentner also bereits bestens versorgt zu sein. Bemerkenswert ist allerdings auch, dass die Unterschiede bei Geld- und Immobilienvermögen in der deutschen Bevölkerung besonders groß sind und der Durchschnittswert somit nur bedingt aussagekräftig ist.
Klar ist: Wer im Alter seinen Lebensstandard halten und nicht jeden Taler zweimal umdrehen will, kommt an der privaten Altersvorsorge nicht vorbei - unabhängig von Alter und Wohnregion. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: LexisNexis | 11.08.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Private Altersvorsorge

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