Texte von Versicherungsbedingungen häufig schwer verständlich
Versicherungstexte sind vor allem für ältere Menschen oft schwer bis gar nicht verständlich. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Technischen Universität Braunschweig.
Nahezu jeder Versicherungsnehmer kennt das: Ein neuer Versicherungsvertrag soll abgeschlossen werden, man erhält ein unfangreiches Werk an Versicherungsbedingungen und versteht einen Großteil der Informationen nicht. Die Technische Universität Braunschweig hat nun in einer Studie die Allgemeinverbindlichkeit dieser Erkenntnis festgestellt - Versicherungstexte sind vor allem für Menschen über 50 oft schwer verständlich und nahezu unlesbar. Das gilt übrigens unabhängig vom Bildungsgrad der Versicherten.
In der Studie erhielten 50 Probanden - 80 Prozent von ihnen waren Akademiker - Originaltexte aus den Bedingungswerken zweier Versicherer zur Lektüre. Das Ergebnis: Bestimmte Sätze seien auch nach mehrmaligem Lesen von 91 Prozent der Befragten nicht verstanden worden, so der Sprachwissenschaftler Günther Zimmermann, der die Studie gemeinsam mit der TU Braunschweig erstellt hat. Dabei seien die Texte bzw. einzelne Sätze zum Teil so kompliziert aufgebaut, dass die Probanden bis zu 31 Minuten benötigt hätten, um ganze fünf Sätze zu lesen - ohne sie letztlich jedoch inhaltlich erfasst und verstanden zu haben. Auch die Schriftgröße, in der die vorgelegten Bedingungswerke gedruckt waren, wurde als zu klein empfunden.
Den Versicherern ist dieses Problem durchaus bewusst, doch sie stecken in der Zwickmühle. Denn Versicherungstexte müssen viele Anforderungen erfüllen: So müssen sie fachlich richtig und juristisch einwandfrei sein sowie den Anforderungen des Versicherungsvertragsgesetzes genügen. Darunter leidet bisweilen die Verständlichkeit für den Endverbraucher. Einige Unternehmen sind bei dem Bemühen, diese unterschiedlichen Interessen in Einklang zu bringen, bereits tätig geworden und stellen ihren Mitarbeitern Leitfäden und sonstige Hilfestellungen zur Verfügung, die dazu beitragen sollen, Versicherungsbedingungen und Kundenanschreiben künftig für den Versicherungsnehmer leichter verständlich zu formulieren.
Für den Fall, dass dies alles nichts hilft, haben Verbraucherschützer einen einfachen Tipp parat: Versicherte sollten bei allen Klauseln, Texten etc., die sie nicht verstehen, ihre Assekuranz bzw. den Versicherungsvermittler so lange fragen, bis alle Unklarheiten beseitigt seien - auch wenn das fünf Stunden dauere, so Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale NRW. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 15.09.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

