Unabhängiger Versicherungsvertrieb: Vertrauensverlust ist spürbar

Die Finanzwirtschaft hat mit einer großen Vertrauenskrise zu kämpfen. Denn in Zeiten der Finanzkrise sind viele Kapitalmarktprodukte nur wenig gefragt. Der Finanzdienstleister J.P. Morgan Asset Management hat in der Studie "Perspektiven-Update 2009 - Bestandsaufnahme des Marktes für unabhängige Finanzdienstleister in einem herausfordernden Umfeld" untersucht, welche Folgen der Vertrauensverlust für den unabhängigen Finanzberatungsmarkt hat.

Im Fokus der Online-Befragung von 302 freien Finanzberatern und Versicherungsmaklern standen aktuelle Trends und Perspektiven sowie Herausforderungen und Veränderungen bei Kundenbeziehungen, Effizienz, Produktstrategien, Zukunftserwartungen, Neukundengewinnungsmaßnahmen und Service. Etwa die Hälfte der Befragten verwaltet ein Kundenvermögen von über 10 Mio. EUR, zwei Drittel sind zudem bereits mehr als 10 Jahre in der Finanzberatung tätig.

Das zentrale Problem der Berater und Makler gleicht dem vieler anderer Wirtschaftszweige: 77 Prozent bangen um die wirtschaftliche Effizienz ihrer Tätigkeit und beurteilen die Aufrechterhaltung der Profitabilität im Vergleich zu der Zeit vor der Krise als schwerer bzw. viel schwerer. Erstes Mittel zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit sind für 57 Prozent der Berater Kostensenkungen, wobei nur etwa ein Drittel eben solche in den Bereichen Fuhrpark, Personal oder Bürokosten bereits in Angriff genommen hat. Kritisch sehen die Befragten auch die Neukundengewinnung (71 Prozent ) sowie das Neugeschäft im Bestand (70 Prozent ), beides wird als besonders schwierig eingestuft. Die Kundenbeziehungen sieht die Mehrheit der Makler (52 Prozent ) dagegen nicht gefährdet - trotz Krise. Auch hinsichtlich des bestehenden Services machen sich nur wenige Makler echte Sorgen: Drei Viertel der Befragten geben an, dass sich der Service nach der Krise im Vergleich zu davor nicht verändert habe.

Auf Produktebene ergeben sich deutliche Tendenzen: Investmentfonds sind und bleiben in der unabhängigen Finanzberatung die Zugpferde. Mehr als zwei Drittel der Befragten bezeichnen diese als wichtigste Anlageform - Tendenz steigend. Denn immerhin 16 Prozent wollen ihre Aktivitäten in diesem Produktbereich ausbauen. Auch Vorsorgeprodukte wie Riester- oder Rürup-Rente bleiben nach wie vor starke Produktangebote: 40 Prozent der Berater planen gar, verstärkt auf solche Vorsorgeprodukte setzen zu wollen. Weitere 30 Prozent fokussieren ebenfalls die Altersvorsorge und wollen Versicherungs- und Finanzlösungen im Bereich der betrieblichen Altersversorgung weiter ins Zentrum rücken. Geschlossene Fonds haben hingegen mit einem starken Vertrauensverlust seitens der Berater zu kämpfen. Jeder vierte Befragte will solche Produkte in Zukunft weniger empfehlen, für ein weiteres Viertel spielen geschlossene Fonds ohnehin keine Rolle. Nur ein Fünftel plant dagegen einen Ausbau des Geschäfts.

Unabhängige Beratung, das ist nach Einschätzung der Befragten ein stark zunehmendes Kundenbedürfnis. Des Weiteren gehen die Berater davon aus, in Zukunft auf wesentlich besser informierte Kunden zu treffen. Denn die Finanzkrise hat offenbar dafür gesorgt, dass sich Anleger mit der Materie auseinandersetzen und somit erhöhte Erwartungen an eine qualitativ hochwertige Beratung haben. Dieser Anforderung wollen die Befragten mit einer themenspezifischen Spezialisierung entgegenwirken und sich - wie bereits angedeutet - verstärkt Themen wie etwa der Altersvorsorge zuwenden. Als Verlierer der Finanzkrise bezeichnen sich die unabhängigen Berater keinesfalls. Ihre Argumentation: Wenn das Bedürfnis nach unabhängiger und qualitativ hochwertiger Beratung steigt, profitiert vor allem die unabhängige Finanzberatung davon. 81 Prozent gehen davon aus, ihren Marktanteil in Zukunft ausbauen zu können. Auch der Ausbau der Angebotspalette steht im Fokus vieler Berater. 82 Prozent sind zudem der Meinung, dass sich mittelfristig auch neue Gebührenmodelle durchsetzen werden.

Trotz der weitgehend positiven Prognosen fällt eine Einschätzung dennoch negativ aus: Denn 90 Prozent der Befragten erwarten, dass sich nicht wenige Berater aus dem Geschäfts zurückziehen werden, eine Konsolidierung stattfindet und der Markt ausgedünnt wird. Vier von fünf Makler prognostizieren zudem Übernahmen, Fusionen oder Bestandsverkäufe. Das eigene Geschäft sieht ein Großteil der Berater allerdings dennoch nicht gefährdet (91 Prozent ) - trotz Krise und der Prognose, dass der Markt deutlich ausgedünnt wird. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: LexisNexis | 08.10.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

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