Finanzkrise lähmt Altersvorsorge der Deutschen

Eigentlich hatte die Altersvorsorge in den vergangenen Jahren in Deutschland einen deutlichen Aufschwung erlebt. Immer mehr Bundesbürger wurden sich der zunehmenden Bedeutung privater Vorsorge bewusst. Das Bewusstsein ist nach wie vor vorhanden. Die Studie "Altersvorsorge in Deutschland 2009/2010" der Postbank und des Institut für Demoskopie Allensbach zeigt allerdings, dass die Finanzkrise die Vorsorgetätigkeit der Deutschen abgeschwächt hat.

Etwa jeder fünfte Deutsche (17,5 Prozent) hat im Zuge der Finanzkrise Altersvorsorgeanlagen reduziert bzw. vollständig eingestellt. Bedenklich ist diese Tendenz allemal. Was allerdings ebenso negativ zu bewerten ist, ist die Tatsache, dass 53 Prozent ihre bestehenden Vorsorgeaktivitäten zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter ausbauen wollen. Noch viel schlimmer ist außerdem, dass ein Drittel der Berufstätigen angibt, im Rentenalter voraussichtlich nicht auf Einkünfte aus der privaten Altersvorsorge zurückgreifen zu können.

Dem Ansehen der privaten Altersvorsorge hat die Krise in jedem Fall geschadet: Ein Drittel der Bürger fragt bereits nach dem Sinn jeglicher vorsorgenden Anlagenformen, ein weiteres Drittel gibt an, das Vertrauen in Informationen zur privaten Altersvorsorge verloren zu haben. Fels in der Brandung ist einzig das Wohneigentum: Denn während klassische Anlageformen stark an Ansehen verlieren, wollen immer mehr Berufstätige in naher Zukunft das Projekt "eigene vier Wände" in Angriff nehmen. Getrübt wird diese Erkenntnis allerdings dadurch, dass 39 Prozent der Befragten nicht damit rechnen, das Ziel Eigenheim auch tatsächlich jemals realisieren zu können. Was aus Sicht der Befragten für die Anlageform Wohneigentum spricht, ist keine Überraschung - denn in Zeiten der Krise ist klar, dass der Faktor Sicherheit eine zentrale Rolle spielt. Zum Vergleich: Während 63 Prozent der Befragten das Wohneigentum als "besonders sicher" einstufen, sind es bei der staatlichen Rente nur 53 Prozent. Trotz der lange geforderten Umsetzung lassen Erfolge von Wohn-Riester noch auf sich warten. Hauptgrund: 46 Prozent hören zum ersten Mal von der Möglichkeit, die staatlich geförderte Riester-Rente zur Finanzierung von Wohneigentum zu nutzen. Immerhin 80 Prozent der Befragten stehen der staatlichen Förderung von Altersvorsorge durch den Erwerb von Wohneigentum sehr positiv gegenüber.

Der Krise und der äußerst wackeligen Zukunft der gesetzlichen Rentenkassen sind sich überraschend viele Deutsche bewusst und fordern politisches Eingreifen. Ganze 40 Prozent wollen eine gesetzliche Pflicht zur privaten Altersvorsorge, ein Drittel beziehungsweise ein Viertel sind dagegen oder unentschlossen. Offenbart wird, dass nahezu die Hälfte der Befragten davon ausgeht, die Finanzkrise habe auch den gesetzlichen Rentenkassen geschadet.

Gerade in der jungen Generation scheint die Altersvorsorge einen Knacks erlitten zu haben: Der Anteil der an Riester-Renten Interessierten ist in der Gruppe der 16- bis 29-jährigen Berufstätigen rückläufig. Auch die Zahl der jungen Deutschen, die die private Altersvorsorge vorerst nicht verstärken wollen, ist deutlich auf 19 Prozent angestiegen. Angesichts dieser Zahlen ist fraglich, inwieweit staatliche Anreize überhaupt noch wirksam sind. Die derzeitige Zurückhaltung der berufstätigen Deutschen zeigt sich schon anhand des Beratungsbedürfnisses: Knapp ein Drittel hat sich bis heute noch nie von einem Finanzberater zur Altersvorsorge beraten lassen, zwei Drittel geben an, privat mit Freunden oder Familie nur selten bis nie über die Vorsorge zu reden.

Zu allem Überfluss zeigt die Befragung, dass die Betroffenen der Zukunft skeptisch gegenüberstehen: Ganze 42 Prozent sind der Meinung, dass ihre bisherige Altersvorsorge nicht ausreichend ist. Das macht deutlich: Das Bewusstsein, vorsorgen zu müssen, ist durchaus vorhanden - es wird allerdings durch die Auswirkungen der Finanzkrise derzeit verdrängt.

Autor: LexisNexis | 12.10.2009 | 0 Kommentare | Rubrik: Private Altersvorsorge

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