Geschäftsjahr 2010: Versicherer sehen Optimierungspotenzial

Vertrieb, Kundenberatung, Verwaltung - in all diesen Bereichen sehen sich deutsche Versicherungsunternehmen mit steigenden Kosten konfrontiert. Einsparungen sollen im Gegenzug die wirtschaftliche Position nahezu aller Markteilnehmer verbessern. Das zeigt der aktuelle "Branchenkompass Versicherungen Spezialausgabe" des Beratungsunternehmens Steria Mummert Consulting und des F.A.Z.-Instituts.

Für die Branchen-Studie befragte Steria Mummert im vierten Quartal 2009 100 Führungskräfte der größten deutschen Versicherungsunternehmen zu etwaigen Effekten der VVG-Reform, zur Optimierung von geschäftlichen Prozessen sowie zur allgemeinen Geschäftsstrategie.

Die VVG-Novelle, die EU-Dienstleistungsrichtline und einige Wachstumsförderungsmaßnahmen, die finanziellen Aufwendungen für Kundenberatung und Kundenbetreuung haben sich bei vielen deutschen Versicherungsunternehmen deutlich gesteigert. So investierten 84 Prozent der befragten Versicherer verstärkt in Schulungen von Vertriebspartnern und Innendienstkräften, um diese auf die verschärften Beratungspflichten vorzubereiten. Zudem soll in vielen Unternehmen ein Kundenmanagementsystem den Vertrieb durch eine verbesserte Kundenanalyse deutlich aufwerten. Doch trotz verstärkter Investitionen ist es auch im Jahr 2010 das primäre Ziel, vorhandene Kosten insbesondere in den Bereichen Beratung und Vertrieb deutlich zu senken. Automatisierungs- und Standardisierungsmaßnahmen sollen unternehmensinterne Prozesse wesentlich verschlanken. Eine Dokumentendigitalisierung (75 Prozent) sowie die Synergiehebung in einzelnen Servicebereichen (55 %) stehen folgerichtig bei vielen Versicherern auf der Agenda.

Das verstärkte "Verschlankungs"-Engagement im Bereich Verwaltung dürfte schon bald dafür sorgen, dass nahezu alle Wettbewerber zukünftig auf einem ähnlichen Effizienzlevel arbeiten. Im Umkehrschluss bedeutet das: Eine positive, ökonomisch wirksame Abgrenzung gegenüber Konkurrenten wird in diesem Bereich aufgrund der Homogenität der Aktivitäten nur schwer realisierbar sein. Dieses Ziel dürfte sich somit in Zukunft wohl vor allem in den Bereichen Vertrieb und Produkte verfolgen lassen. Die Optimierung der Vertriebseffektivität durch einen Ausbau der Vertriebsunterstützung (83 Prozent) - zum Beispiel über internetbasierte Verkaufssysteme - wird dabei ebenso ins Auge gefasst wie die Entlastung von Vermittlern im Bereich der administrativen Tätigkeiten.

Die zahlreichen neuen gesetzlichen Regelungen sind der Befragung zufolge derweil noch nicht in allen Unternehmen vollständig umgesetzt, viele Assekuranzen benötigen mehr Zeit. Dass bereits vorgenommene Schulungsmaßnahmen bereits Früchte getragen haben, davon sind nicht alle Versicherer restlos überzeugt. Die angeeigneten Kompetenzen aufseiten der Mitarbeiter scheinen offenbar noch ausbaufähig zu sein: Weniger als 50 Prozent der befragten Versicherer glauben tatsächlich daran, dass ihre Mitarbeiter bereits heute optimal auf neue Prozesse und Richtlinien vorbereitet sind.

Hinsichtlich der zukunftsorientierten Strategieplanung stehen insbesondere langfristige Leitideen im Fokus der Unternehmen. Dies wiederum lässt sich insbesondere auf die schwierige Wirtschaftslage sowie die gesetzlichen Neuerungen zurückführen, für die sich die Unternehmen langfristig fitmachen wollen. Ein Abgleich zwischen strategischen Zielen sowie betrieblicher Realität soll vorhandene Potenziale offenlegen, wobei sich das Interesse bei etwa der Hälfte aller Unternehmen vor allem auf die Bereiche Kundenzufriedenheit, Service-Architektur und abteilungsübergreifende Vernetzungsmaßnahmen konzentriert. 43 Prozent der befragten Versicherer sehen Verbesserungsbedarf im Bereich der Kommunikation von unternehmensstrategischen Zielen. Zudem übt mehr als ein Drittel der Assekuranzen Selbstkritik an der derzeitigen spartenübergreifenden betrieblichen Steuerung. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: LexisNexis | 08.02.2010 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

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