Versicherungen: Bei der Vermittlung von Produktinnovationen gibt es viele Fallstricke
Nicht immer sind Versicherer und Vermittler daran Schuld, dass es in der Versicherungsbranche relativ wenig erfolgreiche Produktinnovationen gibt. So müssen Vermittler aus Haftungsgründen sehr vorsichtig bei der Beratung sein, die Assekuranzen sind andererseits naturgemäß wenig daran interessiert, die Nachteile eines neuen Angebots deutlich zu machen. Die politische Anforderung nach umfassender Information kann auch zu Desinformation führen.
Der Versicherungsbranche wird oft vorgeworfen, zu statisch und gegenüber Innovationen zu wenig aufgeschlossen zu sein. Dies liegt aber nicht allein an den Versicherungsunternehmen als Produktanbietern, sondern hat eine Vielzahl von Gründen, wie ein Beitrag von Elke Dolle-Helms in der Zeitschrift "Versicherungswirtschaft" (Heft 2/2010, S. 138) zeigt.
Ein wesentlicher Grund ist, dass einerseits Transparenz und Vergleichbarkeit bei der Beratung gefordert wird, es andererseits aber gerade für neue Produkte kaum vergleichbare Angebote gibt. Ein Vermittler, der deswegen beim Kundengespräch nicht in die Tiefe gehen kann, weil er zu wenige vergleichbare und bereits auf dem Markt vorhandene Versicherungsverträge aufzeigen kann, läuft Gefahr, wegen Beratungsmängeln in Haftung genommen zu werden. Dabei genügt ein oberflächlicher Vergleich der Bedingungen meist nicht, um die Leistungsunterschiede wirklich zu erkennen. Der Makler ist deshalb darauf angewiesen, dass der Versicherer ihm auf seine Nachfrage hin alle wichtigen Informationen über das Produkt zur Verfügung stellt, kann aber letztlich nicht kontrollieren, ob dies auch wirklich der Fall ist. Deshalb kann es grundsätzlich sinnvoll sein, das Urteil von unabhängigen Experten ergänzend zu Rate zu ziehen und die Untersuchungen von Rating-Agenturen auf der Basis von definierten Qualitätsstandards in das Beratungsergebnis einzubeziehen. Eine Prüfung auf der Basis von vorgegebenen Standards ist dem Beitrag zufolge ohnehin schon deshalb sinnvoll, weil nur so bei scheinbar gleichen Konditionen die Unterschiede festgestellt werden können. Dabei muss darauf geachtet werden, dass nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden - dass also die Unterschiede zwischen etablierten und neuen Produkten deutlich werden und dass klar auch auf die Risiken neuer Angebote hingewiesen wird.
Die politischen Anstrengungen für mehr Verbraucherschutz sind, so die Autorin, nicht immer hilfreich bei dem Ziel, dem Verbraucher zu mehr Informationen zu verhelfen. So bewirke das Produktinformationsblatt oft eher das Gegenteil - es erwecke den Eindruck, umfassend zu informieren, trage aber faktisch eher zur Desinformation bei, weil nicht deutlich werde, dass nur ein Teil der Informationen vermittelt werde. Besser sei es, eine Matrix zu erstellen, mit deren Hilfe in mehreren Schritten Kundenbedürfnis und Kundennutzen ermittelt werden. Grundlage dafür, dass dies funktioniert, seien aber allgemein anerkannte Standards und eine ehrliche Informationspolitik der Produktanbieter. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 17.02.2010 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

