Krankenversicherung: Profitiert auch die PKV vom Arzneimittel-Sparpaket?

Das Gesundheitssystem steht bekanntermaßen finanziell unter großem Druck und muss kräftig sparen. Hierzu plant die Bundesregierung u.a. Kostensenkungen auf dem Arzneimittelsektor. Das Sparpaket, das ursprünglich nur für den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung gelten sollte, könnte nun auch den privaten Krankenversicherern zugute kommen - auf der Jahrestagung des PKV-Verbandes gab es diesbezüglich eindeutige Signale aus der Politik.

Das Arzneimittel-Sparpaket hat am 18. Juni den Deutschen Bundestag passiert. Kernpunkte der gesetzlichen Regelungen sind ein deutlich erhöhter Zwangsrabatt der Pharmakonzerne auf Medikamente sowie ein Preismoratorium: Der gesetzlich festgelegte Herstellerabschlag auf verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Preisobergrenze wird - so denn der Bundesrat dem Gesetz seine Zustimmung erteilt - von 6 Prozent auf 16 Prozent angehoben. Außerdem werden die Arzneimittelpreise bis Ende 2013 auf dem Stand vom 1. August 2009 eingefroren. Ziel ist es, die Krankenkassen bis Ende 2013 um Kosten i.H.v. rd. 1 Mrd. EUR pro Jahr zu entlasten. Doch hier liegt auch die Crux - zumindest aus Sicht der privaten Krankenversicherer (PKV): Die Regelungen werden nach derzeitigem Stand der Dinge nur für den Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gelten.

Doch die PKV möchte auch von den gesetzlich verordneten Arzneimittelrabatten profitieren und so bei ihren eigenen Preisverhandlungen mit den Pharmakonzernen Kosten sparen. Das hat der Vorsitzende des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V., Reinold Schulte, auf der Jahrestagung des Verbandes am 16. Juni noch einmal ausdrücklich hervorgehoben. Er bezeichnete die PKV als eine "starke Säule des deutschen Gesundheitswesens". Sie sei nicht bereit, als "Zahlmeister" für Ärzte, Arzneimittelhersteller und andere Leistungserbringer jene Ausfälle zu kompensieren, die durch immer neue Budgetierungen, Kürzungen und Rabatte im Bereich der GKV entstünden. Daher müssten die Regelungen des Arzneimittel-Sparpaketes auf die PKV ausgeweitet werden, damit auch diese endlich einen "wirksamen Hebel" erhalte, "um vernünftige Verhandlungen z.B. mit Ärzten und Pharmaunternehmen über Qualität und sich daraus ergebende Mengen und Preise von Leistungen herbeizuführen", so Schulte.

Und es sieht recht gut aus für die privaten Krankenversicherer: Im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf der Jahrestagung des PKV-Verbandes, an der Vertreter aller im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien beteiligt waren, gab es weitgehende Einigkeit zwischen den Parteivertretern, dass die Kostensenkungen des Arzneimittel-Sparpaketes auch der PKV zugute kommen müssen. Allein: Die faktische Umsetzung dieser Zusagen steht noch aus. Reinholt Schulte forderte die Bundesregierung hier zu kurzfristigem Handeln auf. Er erneuerte auch noch einmal die bereits seit langem bestehenden Forderungen der PKV nach der (Wieder-)Abschaffung der dreijährigen Wartefrist beim Wechsel eines Versicherungsnehmers von der GKV in die PKV sowie der Einführung einer kapitalgedeckten Pflegeversicherung. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]

Autor: LexisNexis | 23.06.2010 | 0 Kommentare | Rubrik: Krankenversicherung

Wir vergleichen Versicherungen! www.insurance1.de