Private Krankenversicherung: Arzneimittelsparpaket soll auch für PKV gelten
Die Regelungen des geplanten Arzneimittelsparpaketes, durch das Pharmakonzerne letztlich zu höheren Preisrabatten für Arzneimittel gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) verpflichtet werden sollen, sollen nach dem Willen der Bundesregierung nun auch gegenüber den privaten Krankenversicherern (PKV) gelten. Die PKV-Branche ist begeistert, die Krankenkassen befürchten einen Wettbewerbsnachteil und droht mit Widerstand.
Kernpunkte der gesetzlichen Regelungen des geplanten Arzneimittelsparpaketes - sind ein deutlich erhöhter Zwangsrabatt der Pharmakonzerne auf Medikamente sowie ein Preismoratorium: Der gesetzlich festgelegte Herstellerabschlag auf verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Preisobergrenze soll von 6 auf 16 angehoben werden. Außerdem sollen die Arzneimittelpreise bis Ende 2013 auf dem Stand vom 1. August 2009 eingefroren werden. Originäres Ziel der Bundesregierung ist es, die Krankenkassen bis Ende 2013 um Kosten i.H.v. rd. 1 Mrd. EUR pro Jahr zu entlasten.
Auf einem "Gesundheitsgipfel" am 5. September haben sich Gesundheitspolitiker von CDU/CSU und FDP nun darauf verständigt, die geplanten Regelungen auch auf die PKV auszudehnen und so für die privaten Krankenversicherer ebenfalls für eine finanzielle Entlastung zu sorgen. Der Entwurf für ein "Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in der gesetzlichen Krankenversicherung (AMNOG)" - der bereits im Juli in erster Lesung im Deutschen Bundestag behandelt wurde - soll entsprechend angepasst werden.
Die Meinungen über diese Entscheidung der Bundesregierung gehen indes auseinander. Bislang zahlen PKV-Unternehmen weit höhere Preise für Arzneimittel als gesetzliche Kassen, da sie von den zahlreichen staatlichen Preisregeln für Medikamente ausgeschlossen sind. Die GKV-Branche befürchtet nun einen Wettbewerbsnachteil, sollten die PKV-Unternehmen in gleicher Höhe von den Preisverhandlungen des GKV-Spitzenverbandes mit den Pharmakonzernen profitieren. Denn dann könnten die privaten Krankenversicherer unter Umständen ihre Beiträge deutlich senken. Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, äußerte deutliche Kritik an den Plänen der Bundesregierung: "Weil der privaten Krankenversicherung die Kosten davon laufen, soll nun offensichtlich zu ihrem Schutz ein staatliches Förderprogramm aufgelegt werden."
Die PKV-Branche begrüßt die Pläne der Bundesregierung dagegen ausdrücklich. Dr. Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband), erklärte: "Wenn nur die GKV bei innovativen Arzneien neue Verhandlungsinstrumente erhielte, würde sich die Ausgabendynamik zulasten der Privatversicherten verschärfen. Dies umso mehr, als die Pharmaindustrie dann ihre Rabatte für die GKV durch zusätzliche Preissteigerungen für Privatpatienten ausgleichen könnte." Die PKV fordere daher seit langem eine Einbeziehung der Selbstzahler in die geplanten gesetzlichen Regelungen und ein wirksames Verhandlungsmandat für die Branche. Bei Einbeziehung in die Rabattverhandlungen auf Basis von Nutzenbewertungen sei die PKV zu einer fairen Lastenteilung bereit, so Leienbach weiter. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 09.09.2010 | 0 Kommentare | Rubrik: Private Krankenversicherung

