Basel III setzt Banken unter Zugzwang
Auch wenn sich die unter dem Begriff "Basel III" zusammengefassten geplanten neuen Vorgaben für Eigenkapitalregeln für Finanzinstitute zurzeit noch in der Beratungsphase befinden und vollumfänglich erst im Jahre 2018 wirksam werden sollen, werden einige zentrale Regelungen wohl schon 2013 in Kraft treten. Zeit zum Handeln für die Banken. Doch diese sind offenbar noch reichlich unvorbereitet, wie eine aktuelle Markteinschätzung zeigt.
Basel III bezeichnet ergänzende Empfehlungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel zu den im Jahr 2004 beschlossenen Eigenkapitalanforderungen (Basel II) für Banken. Im Wesentlichen geht es darum, die Finanzmärkte stabiler zu machen und so Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, wie die Welt sie in den vergangenen Jahren erlebt hat, nicht wiederholt. Dazu sollen für Finanzinstitute u.a. höhere Anforderungen für die Bildung von Mindesteigenkapital sowie die verpflichtende Bildung von Kapitalpuffern eingeführt werden.
Das Bundesfinanzministerium geht derzeit davon aus, dass die geplanten Neuregelungen von Basel III bis 2012 in europäisches Recht umgesetzt sein werden, welches dann wiederum in nationales Recht transformiert werden müsste. So könnte bereits ab 2013 für deutsche Finanzinstitute die Regelung eingeführt werden, dass stille Einlagen für Banken, die als Aktiengesellschaft geführt werden, grundsätzlich nicht mehr als hartes Kernkapital gelten. Die sogenannte Kernkapitalquote beschreibt das Verhältnis des Eigenkapitals einer Bank zu ihren risikobehafteten Geschäften, also zu den vergebenen Krediten und den getätigten Geldanlagen. Seit der Einführung der Basel II-Regelungen im Jahre 2004, die aber lediglich Empfehlungscharakter haben, sind Finanzinstitute angehalten, ihre Kernkapitalquote zu erhöhen. Basel III will dies nun verpflichtend machen und feste Quoten vorschreiben. Sollten stille Einlagen ab 2013 nicht mehr als hartes Kernkapital gelten, würden diese für die Erreichung der vorgeschriebenen Quoten dann nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wie eine aktuelle Markteinschätzung des Managementberatungs-Unternehmens Steria Mummert Consulting zeigt, rechnen zwar 60 % der deutschen Banken und Sparkassen damit, dass Basel III umfangreiche Anpassungen in den hausinternen Abläufen erforderlich machen wird, die mit entsprechend hohem Kostenaufwand verbunden sein werden. Obschon erste zentrale Regelungen, wie oben dargestellt, bereits 2013 wirksam werden könnten, hat die Hälfte der Finanzinstitute allerdings noch keine systematischen Analysen vorgenommen, wie und wo im eigenen Haus im Einzelnen Handlungsbedarf besteht. Oliver Tiebing, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting, erklärt die Risiken: Institute, die es bis 2013 nicht geschafft haben, sich entsprechend zusätzliches Eigenkapital zu beschaffen oder ihre Risikopositionen zu mindern, würden bei der Eigenkapitalrendite schon gleich zu Beginn des Umsetzungshorizonts stark unter Druck geraten. [Quelle: LexisNexis Deutschland GmbH]
Autor: LexisNexis | 13.01.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Finanzen

