Krankenzusatzversicherung: Noch viel Verbesserungspotenzial bei Kooperationen
Grundsätzlich sind sich sowohl die privaten Krankenversicherer als auch die gesetzlichen Krankenkassen darüber einig, dass die Kooperation beider Systeme auf dem Gebiet der Zusatzversicherungen für beide Seiten ein lohnendes Geschäft ist. Die ersten Erfahrungen zeigen aber auch, dass eine Kooperation erst dann eingegangen werden sollte, wenn sie vorher strategisch gut durchdacht wurde und beide Partner zusammenpassen.
Sowohl für die gesetzlichen Krankenkassen als auch für die privaten Krankenversicherer sind die Kooperationen bei Zusatzversicherungen, die seit 2004 rechtlich möglich sind, mittlerweile zu einem interessanten Geschäftsfeld geworden. Aus Sicht der PKV ist das Kooperationsgeschäft ein günstiger Vertriebskanal mit der geringsten Stornoquote. In einem Beitrag in der Zeitschrift "Versicherungsmagazin" (Heft 2/2011, S. 34 - 35) stellt Herbert Oberländer, Senior Executive Manager von Steria Mummert Consulting, eine Untersuchung seines Unternehmens vor, mit der die Zufriedenheit mit diesen Kooperationen auf beiden Seiten erfragt worden ist.
Danach gibt es trotz der grundsätzlichen Akzeptanz offensichtlich noch erheblichen Verbesserungsbedarf, denn 60 % der befragten Krankenkassen sind mit der bestehenden Kooperation unzufrieden. Insbesondere die kleineren Kassen mit bis zu 100.000 Mitgliedern finden, dass sie ihre Erwartungen bisher nicht erfüllt hat. Die Verfasser der Studie sehen den Grund für die Unzufriedenheit darin, dass viele der Kooperationen der ersten Stunde überstürzt eingegangen wurden, ohne dass zunächst geprüft wurde, ob beide Seiten und die jeweiligen Erwartungen überhaupt zusammenpassen. Auch bei der offenen Kommunikation und dem respektvollen Miteinander sowie dem Know-how-Transfer gebe es noch Defizite. Dies fällt besonders ins Gewicht, weil bei der Kooperation zwischen GKV und PKV zwei unterschiedliche Systeme mit divergierenden Kulturen aufeinander treffen. Um hier Konflikte bereits im Ansatz auszuräumen sei es wichtig, dass es regelmäßige Arbeitstreffen auf Führungs- und operativer Ebene gebe, bei denen die wichtigsten Problemfelder wie die Risikoprüfung gesetzlicher Versicherter - die für die GKV ja systemfremd ist - oder die Provisionsgestaltung sowie der Wechsel freiwillig Versicherter in die PKV angesprochen würden. Außerdem sollten die im Rahmen der Kooperation angebotenen Produkte gemeinsam entwickelt werden.
Die Untersuchung zeigt aber auch, dass sich hier bereits einiges tut und beide Seiten aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben. Insbesondere die gesetzlichen Krankenversicherungen gehen demnach mittlerweile stärker strategisch ausgerichtet an eine Kooperation heran - während die großen Krankenkassen sich vor allem einen starken Partner mit einem flächendeckenden Vertriebsnetz wünschen, um so ihren hohen Servicestandard gewährleisten können, legen die kleinere Kassen vor allem Wert darauf, dass die Kooperation ihnen zu einer noch stärkeren Differenzierung am Markt verhilft. Aktuell werden dabei von vielen Unternehmen auf beiden Seiten die bestehenden Kooperationen darauf hin überprüft, ob sie den verfeinerten Anforderungen gerecht werden. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]
Autor: Wolters Kluwer | 15.02.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Krankenzusatzversicherung

