Betriebliche Altersversorgung: Bei der bAV die menschlichen Schwächen einkalkulieren

Trotz aller Bemühungen ist die Akzeptanz der betrieblichen Altersversorgung noch nicht so hoch, wie sie sein könnte. Das liegt auch daran, dass der Mensch das bevorzugt, was ihm ein kurzfristig erreichbares Glücksgefühl verschafft und aus einer gewissen Trägheit heraus eher zu einfachen Lösungen tendiert. Deshalb sind Vorsorgemodelle, die nur auf die freie Entscheidung setzen, meist zum Scheitern verurteilt. Besser ist eine Freigabe-Lösung.

Trotz aller Überzeugungsversuche ist die betriebliche Altersversorgung (bAV) in vielen Branchen bisher wenig verbreitet. In einem Beitrag in der Zeitschrift "Versicherungswirtschaft" (Heft 3/2011, S. 184 - 185) stellt der Kommunikationsberater Dr. Christoph Prang die tiefer liegenden Gründe dafür dar. Die Überlegung, wie eine bAV-Maßnahme eingeführt werden sollte, wird von den unterschiedlichen Grundüberzeugungen geprägt. Während die einen auf den Freiheitsgedanken und die absolute Eigenverantwortung des Individuums setzen und das Prinzip der Freiwilligkeit betonen, sind für andere der Fürsorgegedanke und das Gefühl sozialer Verantwortung wichtiger. In diesem Fall schließen die Tarifparteien Tarifverträge, die automatisch die Anmeldung der Arbeitnehmer zur bAV vorsehen, zu der der Arbeitgeber einen substanziellen Beitrag leistet. Möglich ist auch, dass dem Arbeitnehmer verbindlich vorgegeben wird, wie viel Prozent seines Einkommens er als Beitrag für die Altersvorsorge aufwenden muss, das kommt in der Praxis allerdings selten vor. Die vierte Variante ist das umgekehrte Prinzip des Freiheitsgedankens - der Arbeitnehmer wird automatisch in die Altersversorgung einbezogen, sofern er dem nicht ausdrücklich widerspricht.

Die Erfahrungen der Neuroökonomie zeigen, dass die meisten Menschen nicht rational handeln - sie wissen zwar, was richtig wäre, tun es aber nicht oder sie bevorzugen einfache Entscheidungen, insbesondere dann, wenn die Komplexität eines Problems steigt. Außerdem wird die kurzfristig erreichbare Belohnung höher gewertet und eher angestrebt als eine langfristige Belohnung und die meisten Menschen stellen sich die Zukunft optimistischer dar, als sie es wahrscheinlich sein wird. Diese neuroökonomischen Grundlagen verhindern bei der Entscheidung über eine Altersvorsorge den Erfolg, wenn man dabei ganz auf das Freiheitsprinzip baut. Besser ist es aus Sicht des Autors, wenn stattdessen das Freigabeprinzip herrscht, weil man sich dann das Prinzip der Trägheit, das bei der totalen Freiheit Entscheidungen verhindert, zu Nutze macht. Dagegen ist die Vorgabe als Leitbild der Altersvorsorge zu starr. Die Fürsorge ist dann sinnvoll, wenn der feste Jahresbeitrag zu einer ausreichenden Rente führt. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]

Autor: Wolters Kluwer | 22.02.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Betriebliche Altersversorgung

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