Lebensversicherung: Einmalbeiträge sichern Assekuranzen in 2010 Zuwächse
Trotz der labilen Weltwirtschaft konnten die Assekuranzen im Bereich der Lebensversicherung für das vergangene Geschäftsjahr höhere Prämieneinnahmen verbuchen. Unsicher ist jedoch, wie lange dieser Trend noch anhalten wird. Denn für das laufende Jahr will der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. noch keine Prognose abgeben. Stattdessen können auch Beitragsrückgänge nicht ausgeschlossen werden.
Auch im Jahr 2010 konnte, wie ein aktueller Beitrag von Falk Sinß in der Zeitschrift "Versicherungswirtschaft" (Heft 8/2011, S. 530 - 531) zeigt, die deutsche Versicherungsbranche höhere Beitragseinnahmen verzeichnen. Das Prämienvolumen stieg dabei laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) insgesamt um 4,3 % auf 178,8 Mrd. EUR. Obwohl dieses Wachstum vor allem angesichts der labilen Weltwirtschaftslage positiv gesehen werden kann, gibt der GDV für 2011 (noch) keine Prognosen ab.
Grund für das Wachstum sind dabei vor allem die Einmalbeiträge im Lebensversicherungsbereich, ohne deren Zuwachs der Wert lediglich bei 0,5 gelegen hätte. Allein im Bereich der Lebensversicherung stiegen die Beitragseinnahmen um 6 auf ca. 90 Mrd. EUR. Trotz des Plus von 30 ist das Wachstum gegenüber 2009 eher niedrig. Hier waren die Einnahmen aus den Einmalbeiträgen noch um 60 gestiegen. Insgesamt liegt der Anteil der Lebensversicherung am Prämienvolumen mittlerweile bei fast einem Drittel.
Trotz dieser immer noch positiven Entwicklungen scheint ein Ende vergleichbarer Zuwachsraten absehbar. In den vergangenen zwei Jahren konnten die Assekuranzen von dem niedrigen Zinsniveau der Banken profitieren, welches meist deutlich unter den durchschnittlich 4,8 % der Gesamtverzinsung der Lebensversicherung lag. Mittlerweile steigen die Zinsen für Sparanlagen jedoch wieder, sodass Banken aus Sicht der Kunden wieder an Attraktivität gewinnen. Die laufenden Beiträge werden diesen Rückgang voraussichtlich nicht auffangen können. Somit können selbst Beitragsrückgänge nicht ausgeschlossen werden.
Zudem weist Maximilian Zimmerer, Vorsitzender des GDV-Hauptausschusses Lebensversicherung/Pensionsfonds, darauf hin, dass die geplante Senkung des Garantiezinses von 2,25 auf 1,75 % kritisch betrachtet werden muss. Und auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu den sogenannten Unisex-Tarifen wird vom GDV nicht kritiklos hingenommen. Denn die Gleichung Gerechtigkeit durch gleiche Prämien für Männer und Frauen geht laut GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen nicht auf. Für die Praxis bedeutet dies, die Geschlechterverteilung der Kunden abschätzen zu müssen. Letztlich werden die Lebensversicherer durch dieses Urteil daran gehindert, ihren Kunden individuell passende und risikorechte Angebote anbieten zu können. Hoenen unterstützt zudem die Forderungen des GDV nach Änderungen an Solvency II. Diese Regeln seien zu komplex und zu volatil. Die Kursschwankungen machten es den Lebensversicherern schwer, ihren Kunden langfristige Zinsgarantien bieten zu können.
Auch im Bereich der privaten Krankenversicherung (PKV) ist nicht klar, wie sich das Urteil des EuGH in Zukunft auswirken wird. Zusätzliches Risiko seitens der Versicherer bedeutet meist, auch zusätzliche Sicherheiten in ihre Kalkulationen einbauen zu müssen. Leidtragender ist dann der Kunde.
Für 2010 konnten jedoch auch die Kranken- und Pflegeversicherung ein Wachstum verzeichnen. Dieser Bereich stieg um 5,8 auf 33,3 Mrd. EUR. 6,4 Mrd. EUR entstammen dabei allein aus Zusatzversicherungen. Insgesamt waren zum Jahresende 2010 8,8 Mio. Menschen in der PKV voll versichert. Dies bedeutet einen Anstieg um 1 . Aufgrund des Wegfalls der Drei-Jahre-Wartefrist wird hier im laufenden Jahr ein noch besseres Neugeschäft erwartet.
Im vergangenen Geschäftsjahr konnten die Beitragseinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung um 0,7 auf 55,1 Mrd. EUR zulegen. Sturm Xynthia, Hochwasser und Überschwemmungen sowie der Kälteeinbruch in November und Dezember führte bei den Kompositversicherern hingegen mit 43,2 Mrd. EUR zu einer außergewöhnlich hohen Schadenbelastung. Nur 2002 lag diese Belastung mit rund 44 Mrd. EUR höher. Allein im Bereich der Wohngebäudeversicherung stiegen die Leistungen um ca. 18 .
Eine Trendwende zeichnet sich hingegen im Bereich der Autoversicherung ab. Hier stiegen die Beitragseinnahmen um rund 0,6 % auf 20,2 Mrd. EUR, wobei vor allem die Vollkaskoversicherung zu diesem Ergebnis beigetragen hat. Sofern die Prämienanpassungen anhalten, wird auch in diesem Bereich im laufenden Jahr mit einer Verbesserung der Beitragseinnahmen gerechnet.
Aktuelle Ereignisse wie Erdbeben, Tsunamis oder das Atomunglück in Japan dürften, so der Artikel abschließend, keine großen Auswirkungen für die Erstversicherer haben. Daraus entstandene Schäden betreffen vor allem Industrieversicherer und sollten laut GDV im Rahmen des geplanten Budgets liegen. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]
Autor: Wolters Kluwer | 04.05.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Kapitallebensversicherung

