Assekurenzen: Wunsch nach Sicherheit sorgt für Wachstum
Noch immer sind die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise in der Versicherungsbranche spürbar. So sorgt vor allem das Bedürfnis der Kunden nach mehr Sicherheit für steigende Beitragseinnahmen. Bereits seit dem Jahr 2008 steigen diese um mehr als 4 pro Jahr. Für das Jahr 2011 konnten die Assekuranzen Rekordeinnahmen in Höhe von 179. Mrd. EUR verbuchen. Bis 2016 sollen die jährlichen Zuwachsraten jedoch nur noch 2,5 betragen.
Seit drei Jahren liegen die Zuwachsraten bei den Beitragseinnahmen über 4 . Laut dem aktuellen BBE-Branchenreport "Versicherungswirtschaft 2016" werden diese bis zum Jahr 2016 jedoch auf rund 2,5 sinken. Vor allem ein Einbruch im Bereich der Einmalbeiträge könnte die Assekuranzen in ein schlechteres Licht rücken. Wichtiger Faktor ist hier das Vertrauen der Kunden in die Fähigkeit der Lebensversicherer, auch in Zeiten der Krise ihre Leistungen erfüllen zu können. Dies führte in den vergangenen zwei Jahren zu deutlichen Steigerungen bei den Einmalbeiträgen im Neugeschäft. Doch nicht in allen Bereichen können solch historische Höchststände erreicht werden. Im Gegensatz zum Neugeschäft gegen Einmalbeitrag verläuft selbiges mit Verträgen gegen laufende Beiträge schwächer als im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Bereich müssen die Assekuranzen seit 2004 einen kontinuierlichen Rückgang hinnehmen. Insgesamt ist der Bestand um ca. 3 Mio. auf aktuell 94,2 Mio. Verträge gesunken. Neben den Assekuranzen sind hier auch die Vertriebe betroffen. Agenturen mit den Produkten nur einer Versicherung beziehen knapp 40 % ihrer Provisionseinnahmen aus der Vermittlung von Lebensversicherungen. Die Erschließung von alternativen Einnahmequellen ist daher für sie existenziell.
Auch die Attraktivität der Lebensversicherung wird der Studie zufolge in Zukunft zurückgehen. Grund hierfür ist die Absenkung des Höchstrechnungszinses ab dem kommenden Jahr. Bislang waren die Garantiewerte der Lebensversicherer deren wichtigstes Argument für ihre Produkte. In Zukunft sollte hier jedoch die Zusammensetzung der Gesamtleistung aus Garantieleistung, Überschussbeteiligung und Schlussgewinnanteilen im Vordergrund stehen.
An ihre Grenzen kommen auch die gesetzlichen Rentenversicherungen . Hier liegt der Grund in der demografischen Entwicklung, die sowohl Chancen als auch Risiken birgt. Da deutliche Erhöhungen der Beiträge als politisch nicht durchsetzbar gelten, rücken staatlich unterstützte private Vorsorgemodelle stärker in den Vordergrund. Risiken ergeben sich hierbei für die Versicherer aufgrund der Kundenstruktur. Traditionell werden Verträge gegen laufenden Beitrag hauptsächlich von Kunden mit einem Alter von 30-45 Jahren abgeschlossen. Aufgrund des demografischen Wandels wird diese Gruppe in Zukunft zahlenmäßig kleiner werden. Chancen ergeben sich hingegen bei der Beachtung der besonderen Bedürfnisse der älteren Bevölkerungsteile, da diese zahlenmäßig ansteigen wird.
Geringere Zuwachsraten werden auch im Bereich der Schaden- und Unfallversicherung erwartet. Hier lagen die Beitragseinnahmen im vergangenen Jahr noch bei 55,1 Mrd. EUR. Lediglich eine Wachstumsrate von 0,9 % wird in diesem Bereich bis zum Jahr 2016 erwartet. Vor allem der drastische Wettbewerb in diesem Bereich kommt den Kunden zugute. Die Versicherer hingegen klagen über einen deutlichen Verfall der Prämien. Hier liegt der aktuelle nominale Satz auf demselben Niveau wie Anfang der 1980er Jahre. Setzt man diesen Wert in Beziehung zu den gestiegenen Lebenshaltungskosten, haben sich die Kraftfahrtprämien seither fast halbiert. Bestandteil der Studie war eine Befragung von 112 Entscheidungsträgern aus Versicherungsunternehmen. Als Ergebnis wird insgesamt deutlich, dass die Mehrheit der Befragten bis zum Jahr 2016 mit sinkenden Zuwachsraten rechnet. Vor allem durch die wandelnden Anforderungen der Kunden sehen sich viele Assekuranzen einem zusätzlichen Druck ausgesetzt. Ein entscheidender Faktor ist in diesem Zusammenhang eine individuelle Abstimmung von Service und Produkten. Besonders wichtig für zukünftige Entwicklungen sind dabei das erhöhte Preisbewusstsein der Kunden, gestiegene Serviceansprüche sowie eine erhöhte Wechselbereitschaft.
Große Chancen räumen die Experten dabei erneut den Banken und freien Vermittlern ein. Gerade aufgrund der immer komplexer werdenden Finanz-Produkte ist der Wunsch der Kunden nach einer unabhängigen Beratung groß. Für die Assekuranzen stehen somit in den kommenden Jahren einige Veränderungen an, wobei neue Produkte und Services aber auch neue Geschäftsprozesse entstehen werden. Im Mittelpunkt stehen dabei Versicherungsmodelle, die speziell auf bestimmte Lebenslagen angepasst sind. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]
Autor: insurance1 agency | 16.05.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Aktuell Versicherungen

