Wie legen professionelle Anleger ihr Geld an?
Die börsennotierte Lloyd Fonds AG hat eine Studie zu einer im Herbst 2010 durchgeführten Befragung eines großen Kreises von professionellen Anlegern hinsichtlich ihrer aktuell verfolgten Anlagestrategien vorgelegt. Einige Ergebnisse lassen interessante Rückschlüsse auf das künftige Potenzial einzelner Anlageklassen zu.
Befragt wurden 583 Teilnehmer, darunter 360 institutionelle Investoren, 98 Vermögensverwalter und 125 Family Offices. Ziel sei eine Bestandsaufnahme zur Beleuchtung der strategischen Ausrichtung der jeweiligen Investorensegmente. Dass institutionelle Investoren nur 6,4 ihrer Assets in Aktien investieren und 58,1 in Renten, ist nicht vollständig überraschend. Aus einer mitgelieferten Detailaufstellung wird deutlich, dass diese niedrige Quote von den Finanzinstituten bestimmt sein dürfte, wobei die Quoten der Banken, die mit Miniaktienquoten von 0 oder nahe 0 auftauchen, nicht unbedingt Ausdruck einer Marktmeinung sein dürften. Die Quote der Versicherer mit 3,3, kommt den anderweitig veröffentlichten Quoten der Branche demgegenüber nahe, obwohl die großen Versicherer hier offenbar nicht befragt werden konnten. Der Rentenanteil in Höhe von 58,1 dürfte bei anziehenden Zinsen den Institutionellen noch viel Kopfzerbrechen bereiten. Die direkten und indirekten Immobilienanlagen (7,3 ) zeigen erwartbare Anteile. Es fällt auf, dass die institutionellen Anleger die positive Marktentwicklung im Aktienbereich vom Erhebungszeitpunkt bis heute (Anstieg des Dax um rund 1.000 Punkte) für sich und/oder ihre Kunden nicht nutzen konnten, so das Ergebnis der Studie. Deutlich zufriedener mit dem Anlageergebnis dürften die Kunden der Vermögensverwalter sein (Aktienanteil von 42,7 wozu noch 11,2 gemischte Mandate kommen; Rentenanteil 25,5 ).
Die den Family Offices seitens der Investoren auferlegten Vorgaben prägen die Portfoliostruktur natürlich entscheidend. Der hohe Anteil der Immobilienanlagen (19,8 ) dürfte von diesem Effekt beeinflusst sein. Das zeigt sich auch daran, dass 81 des Immobilienanteils direkt in Immobilien angelegt ist. Berücksichtigt man diese Einschränkungen, dann ist der Aktienanteil mit 17,5 % bei dieser Investorengruppe wahrscheinlich realistisch und marktkonform. Die Untersuchung widmet sich dann noch ausführlich der Attraktivität der verschiedenen Formen von Sachwertanlagen, wobei nicht klar wird, ob in der Studie die Aktienanlagen zu den Sachwertanlagen zählen oder nicht. Dieser Teil der Untersuchung erscheint sehr auf den Bedarf eines Initiators geschlossener Fonds zugeschnitten.
Auch wenn die Studie aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl nicht als vollständig repräsentativ angesehen werden kann, lässt sie doch Rückschlüsse zu. Dass deutsche Institutionelle der Aktienanlage wenig zugeneigt sind, ist schon länger bekannt. So hat das unglückliche Agieren der Versicherer in der Aktienbaisse 2000/2003 deren Versicherte viel Geld gekostet. Aktuell verpasst die Branche gerade wieder den Aufschwung am Aktienmarkt, was angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase für die Ergebnisse der Lebensversicherten nichts Gutes erahnen lässt. Positiv ist aber der eindeutige Befund, dass im Bereich der institutionellen Investoren noch viel Potenzial zur Anlage am Aktienmarkt schlummert. Spannend wird außerdem, wohin die riesigen Rentenanteile wandern, wenn der erwartete Anstieg der Inflationsraten und Zinsen Realität wird. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]
Autor: Wolters Kluwer | 16.06.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Finanzen

