Schweizer Franken Kredite in der Krise
Es galt lange Zeit als besonders clever, Immobilien oder Geschlossene Fonds mit Krediten in Fremdwährung zu finanzieren und so eine Menge Zinsen zu sparen. Der Anstieg des Schweizer Franken zum Euro beschert nun vielen Anlegern und Bauherren hohe Nachforderungen der finanzierenden Banken und herbe Vermögensverluste.
Im zweiten Halbjahr 2008, am Tiefpunkt der letzten fünf Jahre, musste man für einen Schweizer Franken (SFR) weniger als 0,60 EUR bezahlen. Zuletzt kostete ein Schweizer Franken 0,84 EUR (11.07.2011), also glatte 40 Prozent mehr. Wer damals finanziert hat, muss nun also 40 Prozent mehr Euro aufwenden, um die Zinszahlungen zu leisten und bei Kreditfälligkeit damit rechnen, dass er zur Kreditrückzahlung entsprechend mehr zahlen muss. So lange wollen die finanzierenden Banken nicht warten und fordern deshalb die betroffenen Kreditnehmer schon jetzt auf, zusätzliche Sicherheiten zu stellen. Das bringt derzeit landauf landab Kreditnehmer in tiefe Probleme. Betroffen sind auch viele Geschlossene Fonds, die ihre Fremdmittel ganz oder teilweise in Schweizer Franken aufgenommen haben und so eine größere Effektivität der Beteiligung erreichen wollten.
Rein rechnerisch war der Anreiz zu einer Schweizer Franken-Finanzierung seit Jahren groß. Der Zinsabstand zwischen einem SFR-Kreditzins plus Kostenanteil der finanzierenden deutschen Bank und einem Eurokredit lag in den letzten fünf Jahren durchgehend bei rund 2 Prozent-Punkten. Bei einer 10jährigen Kreditlaufzeit und pro 100.000 EUR Kreditsumme ergibt sich daraus ein Kostenvorteil des Schweizer Franken-Kredits in Höhe von rund 22.000 EUR - allerdings nur bei stabilem Wechselkurs. Der Anstieg des Schweizer Franken verteuert nun die laufenden Zinszahlungen erheblich und führt zu einem Anstieg des Kreditbetrags, also Nachteilen für den Kreditnehmer, die weit über diese Zinskostenersparnis hinausgehen. Währungsprognosen sind in der Regel selten zutreffend. Im Zweifel und aufgrund der anhaltenden Probleme im Euro-Raum muss mit einem weiteren Anstieg des Schweizer Franken zum Euro gerechnet werden. Ein harter Schnitt in Form eines Ausstiegs aus dem Fremdwährungskredits, der meist gegen Zahlung zusätzlicher Kosten möglich ist, sollte in Erwägung gezogen werden.
Bei geschlossenen Fonds mit Schweizer-Franken-Finanzierung dürfte der Ausstieg zu einer Reduzierung der Ausschüttungen bis hin zum Totalausfall oder gar zum Aus für den Fonds führen können. Deshalb dürfte der eine oder andere Initiator zögern und damit das Problem eventuell weiter verschlimmern. Berater und Vermittler sollten unbedingt im Interesse ihrer Kunden und zur Vermeidung von Haftung initiativ werden. Fremdwährungskredite machen aus jeder Anlage, vom Eigenheim bis zum Geschlossenen Fonds, eine Währungsspekulation. Solche Anlagen gehören in die höchste Risikoklasse und sind deshalb auch nur für außergewöhnlich risikobereite Anleger geeignet. Berater und Vermittler sowie die Initiatoren solcher Anlagen sind deshalb haftungsrechtlich angreifbar. Anlegeranwälte haben sich bereits auf das Thema eingeschossen. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]
Autor: Wolters Kluwer | 14.07.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Finanzen

