Pflegeversicherung: Pflegereform auf dem Irrweg

Allmählich kommt das System der gesetzlichen Pflegeversicherung an seine Belastungsgrenzen. Grund hierfür ist der demografische Wandel der deutschen Bevölkerung. Allein bis zum Jahr 2050 könnte die Zahl der Über-80-Jährigen um das Dreifache steigen. Statt darauf zu reagieren, plant die SPD, wie der Verband der Privaten Krankenversicherung berichtet, das System noch auszuweiten, sodass kommende Generationen für die Kosten aufkommen müssen.

Eigentlich wollte die Bundesregierung das Jahr 2011 zum "Jahr der Pflege" machen. Doch die deutschen Bundesbürger müssen noch immer auf den Entwurf einer umfassenden Pflegereform warten. In ihren pflegepolitischen Grundüberzeugungen liegen Regierung und Opposition an sich eng beieinander. Beide sind sich einig, dass die Pflegebedürftigkeit neu definiert werden muss. Denn der bislang geltende Leistungskatalog der Pflegeversicherung weist eine einseitige Orientierung zu körperlichen Leiden auf. Zudem sollen pflegende Angehörige besser gestellt und das Berufsbild der Altenpflege attraktiver gestaltet werden. All diese Aspekte sind seit Langem Bestandteil der schwarz-gelben Koalitionsvereinbarung. Lediglich ein Handeln der Politiker in diesem Bereich war bislang nicht sichtbar.

Doch ein "Orientierungspapier" der SPD-Bundesfraktion greift diese Aspekte jetzt auf. Demnach soll es bei der paritätischen, also der geteilten, Beitragszahlung von Arbeitnehmern und -gebern bleiben. Ein weiterer Bestandteil ist ein Finanzausgleich zwischen der Privaten und der Gesetzlichen Pflegeversicherung, wodurch 1 Milliarde EUR erbracht werden soll. Neue Ideen werden von der SPD jedoch nicht entworfen. Lediglich auf die alte Idee der Bürgerversicherung wird verwiesen.

Reinhold Schulte, Vorsitzender des Verbandes der Privaten Krankenversicherung weist darauf hin, dass dieser Entwurf den Herausforderungen des demografischen Wandels nicht gerecht wird. Der Grund hierfür liegt in dem umlagefinanzierten System, wonach in Zukunft immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Pflegebedürftige aufkommen müssen. Statt darauf zu reagieren, will die SPD dieses System jedoch noch ausbauen. Schulte sieht hierin den falschen Weg, schließlich würden den kommenden Generationen dadurch immer mehr Kosten aufgebürdet.

Noch besteht allerdings die Möglichkeit, diesem Problem entgegenzuwirken, denn der Höhepunkt des demografischen Wandels ist noch nicht erreicht. Wie die Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 gezeigt hat, kann diese mit einer Kapitaldeckung gut funktionieren. Besser sogar als das sogenannte Umlageverfahren. Eine mögliche Lösung des Problems wäre demzufolge die Einführung einer kapitalgedeckten ergänzenden Pflegeversicherung in Form einer Privaten Pflegeversicherung. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]

Autor: Wolters Kluwer | 18.07.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Pflegeversicherung

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