Offene Immobilienfonds: Desaster teilweise immer noch nicht branchenbekannt

Aus Sicht der Fondsgesellschaften ist es zwar verständlich, dass das Desaster bei den Offenen Immobilienfonds nicht so gerne kommuniziert wird. Aus der Sicht des Vertriebs (und der betroffenen Anleger) hingegen könnte dieses Verhalten gravierende Nachteile bringen.

Der aktuelle Stand

Nach wie vor ist rund ein Drittel des in Offenen Immobilienfonds angelegten Geldes nicht fungibel oder nur zu enormen Abschlägen über die Börse verkäuflich. Dies ist dem größten Teil der Branche (aber längst nicht allen betroffenen Anlegern) inzwischen bekannt. Allerdings ist vielen Branchenmitgliedern, auch solchen, die über Jahre Offene Immobilienfonds und die sog. Immobilien-Dachfonds angeboten haben, das noch gravierendere Desaster bei eben diesen Immobilien-Dachfonds unbekannt. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass die Anleger, die Sparpläne in Immobilien-Dachfonds ansparen, bislang zum größten Teil von ihren Beratern (und von den Fondsgesellschaften) nicht darauf hingewiesen wurden, dass sie zu weit überhöhten Preisen, nämlich zu den sog. Ausgabepreisen investieren, obwohl sie Zielfonds dieser Gesellschaften teilweise mit Abschlägen von bis zu rund 50 Prozent über z. B. die Börse Hamburg beziehen könnten.

Beispiel

Der Allianz Flexi Immo (ISIN DE0009797332) war per Ende April zu knapp 4 Prozent in Offene Immobilienfonds investiert, die derzeit liquidiert werden und zu rund 16 Prozent in Offene Immobilienfonds, die derzeit (und seinerzeit) keine Anteile zurücknehmen. Weitere rund 20 Prozent des Fondsvermögens war zu diesem Zeitpunkt in Fonds von Gesellschaften investiert, die mindestens einen Offenen Immobilienfonds verwalten, der derzeit geschlossen ist oder liquidiert wird (Quelle: Morningstar direct).

Nach wie vor werden (Stand 21.07.2011) die Monatsraten der Sparplaninhaber eingezogen und auf der Basis der Rücknahmepreise in Fondsanteile investiert, obwohl die geschlossenen bzw. in Liquidation befindlichen Fonds an der Börse bis zu knapp 40 Prozent unter den Rücknahmepreisen notieren. Davon einmal abgesehen, dass das Verhalten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Zusammenhang mit dieser Problematik nur mit einer anhaltenden Tiefschlafphase erklärt werden kann, stehen massive Haftungsprobleme bei den betroffenen Vermittlern ins Haus. Bei vielen von ihnen dürfte es, so auch wahrscheinlich bei diesem Beispielsfonds, um Angestellte von Banken oder um gebundene Vermittler handeln, bei denen im Falle eines Falles der Arbeitgeber vermutlich eintritt. Freien Vermittlern, die in größerem Umfang solche Sparpläne angeboten haben, droht, nach aller Erfahrung aus derartigen Haftungsfällen, eine existenzgefährdende Situation.

Informationsdefizit

Das bestehende Informationsdefizit ist nachvollziehbar, wenn man die Internetinformationen zu diesem Thema zu Rate zieht. Dort wird nach wie vor das hohe Lied der Offenen Immobilienfonds gesungen, die sich gut für die Altersversorgung (www.kredit.sc; Stand 21.07.2011) aber auch für "Kindersparpläne" (der Versicherungsvermittler Gerhard M. Schmidts aus Nürnberg; Stand 21.07.2011) eignen würden. Fondsplattformen wie zum Beispiel "GOYAX" machen derzeit geschlossene Immobilien-Dachfonds (wie z. B. den RP Global Real Estate; Stand 21.07.2011) nicht entsprechend kenntlich. Auch die Abstinenz der Fachmedien zum Thema Offene Immobilienfonds ist angesichts der Bedeutung des Themas für breite Berater- und Anlegerkreise auffallend.

Hintergründe

Die Branche schaut paralysiert auf den kommenden November. In diesem trüben aber nicht allzu fernen Monat müssen drei weitere derzeit geschlossene Offene Immobilienfonds entweder liquidiert oder wiedereröffnet werden. Das ist vor allen Dingen davon abhängig, wie deren Liquiditätslage ist und wie viele Anleger bei Öffnung sofort an ihr Geld wollen. Der Druck kommt dabei hauptsächlich von den sog. Institutionellen, also auch von den Immobilien-Dachfonds. Je mehr Anleger auf die desaströse Situation aufmerksam werden, ihre Sparpläne auflösen und ihre Bestände verkaufen, umso unwahrscheinlicher wird die Wiedereröffnung dieser Fonds. Die Branche soll also durch Schönreden gerettet werden.

Für Anleger ist der Termin November deshalb wichtig, weil dann, wenn es zu Liquidationen kommt, die Börsenpreise der Fonds weiter sinken dürften. Auf die Dauer kann das auch an den Immobilien-Dachfonds nicht spurlos vorübergehen. Die Immobilien-Dachfonds, soweit sie noch offen sind, zu den jetzt noch künstlich erhöhten Preisen zu verkaufen, ist deshalb sicher eine gute Idee, zumal die Performance dieser Fonds in der allernächsten Zeit kaum besser sein dürfte als ein Festgeld bei der Bank. Auch bei bislang nicht in Problemen befindlichen Offenen Immobilienfonds ist ein schneller Verkauf sicher nicht die schlechteste Option, zumal auch hier mit Performances gerechnet werden muss, die allenfalls Festgeldcharakter haben, also keinen Gegenwert für das erhöhte Risiko bieten. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]

Autor: Wolters Kluwer | 26.07.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Finanzen

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