Offene Immobilienfonds: Weitere Fondsliquidation

Nicht ganz unerwartet gab dieser Tage die Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management die Liquidation des Degi Global Business bekannt. Damit wurde innerhalb weniger Tage über die Liquidation von zwei Fonds mit einem Volumen von zusammen rund 1,5 Mrd. informiert.

Die Lage bei den Offenen Immobilienfonds entwickelt sich, von einem Großteil der Anleger weitgehend unbemerkt, dramatisch. Die rund 250 Mio. EUR im Degi Global Business sollen zwar von nur rund 100 institutionellen Investoren gehalten worden sein, sodass in diesem Fall Otto Normalanleger nicht direkt betroffen ist. Indirekt könnten die Folgen der Schließung allerdings auch eine breitere Wirkung entfalten, weil z.B. Pensionskassen zu den Anlegern gehören, sodass die Altersvorsorge der jeweiligen Betriebsangehörigen leiden könnte.

Verhalten institutioneller Anleger entscheidend

Ausgelöst wurde die Misere bei den Offenen Immobilienfonds durch das Verhalten der institutionellen Anleger in der Finanzkrise, die ihren krisenbedingt auftretenden Liquiditätsmangel durch Rückgabe von Anteilen an den als Liquiditätsreserve gehaltenen Offenen Immobilienfonds stillen wollten. Das war für diese Anlegergruppe nicht nur die bequemste sondern auch die vorteilhafteste Lösung, weil deren Engagements in anderen liquiden Anlagen, wie z.B. Aktien aufgrund der Börsennotierung und der professionellen Marktgegebenheiten unmittelbar an Wert verloren hatten, während das träge Bewertungssystem der Offenen Immobilienfonds noch so gut wie keine Wertrückgänge produziert hatte, obwohl die Entwicklung an den Immobilienmärkten der an den Aktienmärkten vergleichbar war.

Die Liquidation des Degi-Fonds könnte nun von den institutionellen Anlegern als Signal verstanden werden, sich aus den Engagements in Offenen Immobilienfonds zurückzuziehen. Damit dürften weitere, bislang unauffällige Fonds in Liquiditätsnöte geraten, zunächst schließen müssen, um dann später liquidiert zu werden. Die derzeitige Zurückhaltung der Publikumsmedien zu diesem Thema könnte sich verändern. Damit würden mit großer Wahrscheinlichkeit die Liquiditätsflüsse aus den Konten der Masse der uninformierten (Klein-)Anleger beeinträchtigt, sodass auch bislang als sicher geltende Großfonds in Probleme geraten könnten.

Der aufgrund der vielen Fondsliquidationen bereits vorhandene Preisdruck auf die Immobilienmärkte könnte sich weiter verstärken, sodass die betroffenen Anleger am Ende hohe Vermögensverluste verbuchen müssten.

Einflussfaktor Immobilien - Dachfonds

Unheilvoll könnte sich auch das verständliche Bemühen der Immobilien-Dachfonds auswirken, ihre Engagements in Offenen Immobilienfonds zu reduzieren. Wenn gar Immobilien Dachfonds liquidiert werden müssen, dann dürften endgültig alle Chancen auf Wiedereröffnung derzeit geschlossener Fonds ad acta gelegt werden müssen. Dieser Zustand könnte bereits jetzt erreicht sein.

Praxistipp:

Das Anlagerisiko von Offenen Immobilienfonds war schon immer weitgehend identisch mit dem von Aktienfonds, wenn auch die Entwicklung der Anteilspreise bis zur Finanzkrise ein anderes Signal gab. Wer solche Risiken nicht tragen will, der sollte, soweit noch möglich, seine Anteile verkaufen. Berater können bei noch Offenen Immobilienfonds durch eine schnelle Verkaufsempfehlung bei sicherheitsorientierten Anlegern Haftungsprobleme vermeiden, denn die Anpreisung von Offenen Immobilienfonds als Hochsicherheitsanlage, wie sie über Jahrzehnte Branchenstandard war, entbehrte schon immer der Realität. [Quelle: Wolters Kluwer Deutschland Information Services GmbH]

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Autor: Wolters Kluwer | 05.09.2011 | 0 Kommentare | Rubrik: Finanzen

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